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Jahresbericht 2021/22
der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Unklare Lage

Zwischen Pandemie, Ukraine-Krieg und Transformation

Bernd Vogler

Mit aller Kraft versuchen die Verbände - AGV und VCI die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Betriebe zu gestalten.

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Jahr hat die Branche Großes geleistet. Das war mein erster Satz im Editorial 2021. Ich kann dieses Fazit auch für das zweite Pandemiejahr ziehen: Unter den extremen Belastungen einer globalen Pandemie hat sich die wichtigste Branche in Rheinland-Pfalz als widerstandsfähig erwiesen. Diese Widerstandskraft ist nötiger denn je.

Denn seit Februar leben wir in einer anderen Welt. Ein Krieg in Europa verursacht großes menschliches Leid. Groß ist auch die Hilfsbereitschaft in den Unternehmen; sowohl auf der persönlichen, als auch auf der unternehmerischen Ebene. Die Auswirkungen des Krieges spüren wir in der EU und in Deutschland. Viel steht auf dem Spiel, besonders für die Chemiebranche. Wir hatten auf eine Erholung nach der Corona-Krise gehofft; auf sich stabilisierende Lieferketten und sinkende Energiekosten; auf mehr Planbarkeit und eine sich erholende Weltwirtschaft.

Mit aller Kraft versuchen die Verbände – AGV und VCI – die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Betriebe zu gestalten.

Einen Weg aus einer äußerst schwierigen tarifpolitischen Situation gefunden haben wir durch die sogenannte Brückenlösung. Sie wurde als wegweisend bezeichnet; die Chemie-Tarifpartner seien in beispielhafter Weise ihrer Verantwortung gerecht geworden. Wir hoffen, dass im Herbst die Tarifverhandlung unter Bedingungen stattfinden kann, die besser zu beurteilen sind.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie auch, wie wir uns für die Sicherung von zentralen Rohstoffen und der Energieversorgung für die Branche einsetzen.

Die Chemie ist für das deutsche Industrienetzwerk systemrelevant – diese Botschaft können wir gar nicht laut genug in die Öffentlichkeit und die Politik tragen.

Es ist wichtig, die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die Unternehmen zu verdeutlichen. Deswegen sind wir im engen Austausch mit der Ministerpräsidentin, Ministerinnen und Ministern sowie Abgeordneten der Parlamente. Sei es in persönlichen Gesprächen, auf öffentlichen Debatten, auf parlamentarischen Abenden. Im Jahresbericht lesen Sie, wie wir auch die anderen drängenden Transformations-Themen wie Klimaneutralität oder die EU-Chemikalienstrategie adressieren.

Mit hoher Taktzahl ging die juristische Beratung und Vertretung im AGV weiter. Corona und Careflex – nur zwei große HR-Themen, bei denen unser Juristen-Team gefragt war. Ergänzend dazu bieten wir ein neues Verbandsangebot für die Personalabteilungen an: Das Chemie-Rechtsportal, ein innovatives Legal-Tech-Tool, das laufend mit Hilfe der Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft weiterentwickelt wird.

Input aus der Mitgliedschaft ist ebenfalls von großer Bedeutung bei der Gewinnung und Sicherung von Nachwuchskräften für die Branche. Der Verband hat früh Angebote zur Berufsorientierung aufgebaut und in den letzten Jahren vor allem das digitale Azubimarketing stark ausgebaut. Erwähnt seien die wirksame Schulförderung für spannenden MINT-Unterricht „bis ins Weltall“, aber auch die Auszeichnung der Ausbildungsbetriebe aus der Mitgliedschaft für ihren Einsatz und ihr Engagement bei der
Sicherung hochqualifizierten Chemie-Nachwuchses. Auch zentral ist das Thema Weiterbildung, daher fassen wir das Neueste aus dem ersten digitalen Berufskompass Chemie zusammen.

Neu ist auch unser Podcast „Wir. Hear.“. Führungskräfte und Experten geben Impulse und Einblicke zu zentralen Themen in der Branche. Meine Empfehlung: Hören Sie rein.

Ihr Bernd Vogler
Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Zeitenwende Ukraine

Haben die Betriebe auf eine Erholung nach der Corona-Krise gehofft, fand dies mit dem Krieg in der Ukraine ein jähes Ende. Die Chemieverbände haben gegenüber Politik und Gewerkschaft deutlich gemacht, was die Branche jetzt braucht.

Herausfordernd war bereits das Jahr 2021 für die chemisch-pharmazeutische Branche. Materialengpässe, Logistikprobleme
und steigende Kosten verlangsamten die Erholung nach der Corona-Krise. Doch damit nicht genug, markierte der russische
Einmarsch in die Ukraine den nächsten tiefen Einschnitt. Das Undenkbare wurde schreckliche Realität: In Europa ist Krieg und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Unternehmen helfen, wo es möglich ist. Über das Leid der Menschen hinaus hat dieser Konflikt auch enorme wirtschaftliche Folgen.

Wirtschaftliche Folgen derzeit nicht abschätzbar

Für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland haben sich die Aussichten durch den Ukraine-Krieg deutlich verschlechtert. Hauptproblem bleiben die steigenden Kosten für Vorprodukte und für Energie. Hinzu kommen Ausfälle bei Zulieferern und Kundenindustrien, die Einfluss auf die Geschäfte der Chemie-Branche haben. Als Aggressor wird Russland sanktioniert. Eine
Entscheidung, die auch von der Chemie mitgetragen wird. Doch Russland ist Hauptlieferant von Energierohstoffen, besonders beim dringend benötigten Erdgas. Allein in Rheinland-Pfalz deckt Erdgas rund 38 Prozent des Primär-Energiebedarfs. Das ist deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 25 Prozent. Hinzu kommt, dass Erdgas nicht nur zur Stromerzeugung sondern in großen Mengen als Rohstoff benötigt wird.

Der VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große-Entrup warnte daher vor den massiven Folgen eines Importstopps von russischem Erdgas. „Tiefe Einschnitte in das Produktionsniveau der Branche wären nicht nur bei großen energieintensiven Unternehmen zu erwarten. Über die Wertschöpfungsketten würde sich der Effekt auf die gesamte Industrie in Deutschland fortpflanzen,“ betonte
Große-Entrup. „Mit einer schweren und mehrjährigen Rezession mit einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen muss gerechnet werden. Und anders als in der Finanz- und Coronakrise würde sich bei einer Industriekrise Deutschland nicht relativ schnell wieder erholen. Dann steht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieses Landes auf dem Spiel.“

Auch eine Umfrage des IW Köln unter deutschen Unternehmen zu den Folgen des Ukraine-Krieges kommt zu dem Ergebnis, dass steigende Energiepreise, fehlende Gaslieferungen und ausfallende Vorleistungen den Betrieben die größten Sorgen bereiten. Konnten viele Betriebe bislang die Preise in Teilen weitergeben oder Absicherungsgeschäfte tätigen, so wird dies zunehmend schwieriger.

Chemie braucht Tempo statt Stempel

Die kritische Lage zwingt zum Umdenken. Der VCI machte vor Ostern deutlich, dass angesichts des Krieges die Energiewende vorangetrieben werden und gleichzeitig die Bundesregierung auf die Kostenbremse treten muss. Die beschlossene Absenkung der EEG-Umlage auf null sei bitter nötig. Doch reiche dies angesichts der dramatischen Energiepreissituation nicht aus. „Jetzt
müssen alle staatlichen Belastungen auf Energie so weit wie möglich weg – und zwar schnellstmöglich“, so VCI-Hauptgeschäftsführer Große-Entrup. Parallel muss es der Chemie ermöglicht werden, notwendige Investitionsprojekte für eine Transformation schnell umzusetzen. Dazu müsse bei den Genehmigungsverfahren Tempo gemacht werden, und zwar auf „Tesla-Niveau“. 

Parallel darf das wichtigste europäische Regelwerk für die Zulassung und den Betrieb von Industrieanlagen, die Industrieemissionsrichtlinie (IED), aus Sicht der chemisch-pharmazeutischen Industrie keinesfalls die Transformation der

Erdgas

Die chemisch-pharmazeutische Industrie setzt bundesweit rund 2,8 Millionen Tonnen Erdgas als Rohstoff (27 Prozent des
Gesamtverbrauchs) und 99,3 Terrawattstunden Erdgas (73 Prozent) für die Erzeugung von Dampf und Strom im Jahr ein.

Branche zur Klimaneutralität und Zirkularität ausbremsen. Die Vorlage der EU-Kommission zur Reform der Richtlinie kam zum falschen Zeitpunkt. Eine weitere Überbürokratisierung ohne Nutzen muss unbedingt vermieden werden. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sollte die EU-Kommission bei den geplanten politischen Vorhaben einen Zukunftscheck durchführen und Projekte wie Green Deal, Chemikalienstrategie und die IED auf Eis legen.

Regelmäßige Spitzentreffen in Mainz

In Mainz traf sich die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt mit Vertretern der Chemieverbände, der Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) sowie der IHK und Handwerkskammern zur ersten „Spitzenrunde Energiesicherheit der rheinland-pfälzischen Wirtschaft“. Zentrale Themen waren die steigenden Energiepreise sowie die Energieversorgung in der Krise. Der vertiefte Austausch soll im regelmäßigen Turnus stattfinden.

Tarifverhandlungen mit Brückenlösung

In den diesjährigen Tarifverhandlungen machte auch der Verhandlungsführer Hans Oberschulte die Situation in der Branche deutlich: Bekommen wir überhaupt noch genug Energie für unsere Produktionsprozesse? Können wir die steigenden Kosten stemmen? Werden die Lieferketten womöglich weiter gestört?

Geeinigt haben sich die Chemie-Sozialpartner im April auf eine Brückenlösung. Die Verhandlungen wurden aufgrund der dramatisch geänderten politischen und wirtschaftlichen Situation vorläufig ausgesetzt und sollen im Oktober wieder aufgenommen werden. Bis dahin gelten die Entgelttabellen weiter. Um die Effekte der Inflation zu dämpfen, erhalten die Beschäftigten einmalig 1.400 Euro. Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zahlen ihren Beschäftigten einmalig 1.000 Euro. Auszubildende erhalten 500 Euro.
Zusätzlich zur Brückenlösung wurden weitere Vereinbarungen getroffen. So wurden die Zuschläge für Nachtarbeit einheitlich auf 20 Prozent festgelegt. Zudem soll die Praxis des mobilen Arbeitens wissenschaftlich untersucht werden. Die Ergebnisse werden bis 2023 erwartet. Ziel der Studie ist, die bisherige Praxis mobiler Arbeit unter Beteiligung sowohl der Beschäftigten als auch der Unternehmen zu analysieren und zu bewerten. Im Anschluss prüfen die Sozialpartner, ob sich tarifpolitische Maßnahmen aus der Studie ableiten lassen.

Mehr Flexibilität gibt es für die Altersfreizeiten in der chemischen Industrie: So können Unternehmen und Beschäftigte die Altersfreizeiten durch einen flexiblen Übergang in den Ruhestand, durch eine Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung oder in die betriebliche Altersvorsorge ersetzen. Zudem werden die Altersfreizeiten künftig anteilig auch allen Teilzeit-Mitarbeitern gewährt. 

Verbände sind wichtige Vertreter der Interessen geworden

Die Verbände konnten gegenüber Politik und Gewerkschaft in den vergangenen Wochen deutlich machen, dass die Sanktionen nicht die eigene Industrie treffen dürfen und besonders dem Mittelstand bei den dramatisch gestiegenen Kosten geholfen werden muss. Konkrete Hilfe bietet der VCI auch den Mitgliedern des AGV mit dem Helpdesk zum Ukraine-Krieg. Dort kann die Betroffenheit des Unternehmens anhand der offiziellen Bestimmungen und Listungen geprüft werden.

VCI-Helpdesk zum Ukraine-Krieg

Wenngleich die Hilfe für die Menschen absolut im Vordergrund steht, blicken wir in Verantwortung für unsere Mitgliedsunternehmen, Beschäftigten und Kunden auch auf die darüber hinaus gehenden Folgen der Ereignisse. In Helpdesk wurden Informationen zu Fragestellungen rund um den Ukraine-Krieg für Sie zusammengestellt.
https://www.vci.de/themen/ukraine/ukraine.jsp

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Die richtigen Weichen stellen für die Kreislaufwirtschaft

Die chemisch-pharmazeutische Industrie verschreibt sich dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen hin zur Treibhausgasneutralität. Ein Schlüssel dafür ist der Ausbau der Kreislaufwirtschaft. Hier zählen alle Beiträge zur Ressourcenschonung.

Auch wenn es sprachlich zunächst widersprüchlich erscheinen mag: Auch ein Kreislauf braucht die richtigen Weichenstellungen.

Die chemische Industrie arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung ihrer Produktionsprozesse. Oberstes Ziel ist ein effizienter Material- und Energieeinsatz. Produkte aus der Chemie leisten aber auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen Beitrag für die Kreislaufwirtschaft: Ihr Einsatz ermöglicht leichtere und langlebigere Produkte, wodurch Ressourcen geschont werden. Nach ihrem Gebrauch können viele Produkte durch moderne Recyclingverfahren an den Anfang der Wertschöpfungskette der Chemie zurückgeführt werden. Beispiele hierfür sind die Nutzung von CO2 aus Abluft oder das Recycling von Kunststoffabfall aus dem Verpackungsbereich. Insgesamt steht eine umfassende Kreislaufwirtschaft noch am Anfang. So liegt derzeit der Anteil aller zirkulär eingesetzten Ressourcen am gesamten Verbrauch im EU-Durchschnitt bei nur circa 12 Prozent, in Deutschland nur knapp darüber. Durch technologischen Fortschritt und passende politische Rahmenbedingungen kann der Anteil steigen.

Diesen politischen Rahmen braucht die Chemie

Rohstoffbasis ausbauen

Alle Rohstoffe sollten nutzbar gemacht werden und zur Verfügung stehen. Dazu gehören auch Sekundärrohstoffe, die aus neuen Recyclingverfahren gewonnen werden. Um ihren Einsatz zu stärken, sind alle Sekundärrohstoffe für die Erfüllung der gesetzlichen Recyclingquoten anzuerkennen.

Nachhaltige Produkte fördern

Anforderungen an die Gestaltung von neuen Produkten sollten so definiert werden, dass nicht nur die Recyclingfähigkeit, sondern auch der Nutzen in der Anwendung berücksichtigt werden. Dabei darf kein zweites Chemikalienrecht entstehen, da die Chemikalien bereits unter REACH umfassend reguliert sind.

Rücknahmesysteme stärken

Die Industrie konnte in der Landwirtschaft und im Baugewerbe funktionierende Rücknahmesysteme etablieren. Solche Systeme müssen unterstützt werden und dürfen nicht durch zusätzliche bürokratische Anforderungen ausgebremst werden.

Abfallinfrastruktur modernisieren

Moderne Technik für Abfallsammlung und -sortierung ist eine Grundvoraussetzung für die Kreislaufwirtschaft. Deshalb sollte die notwendige Infrastruktur europaweit ausgebaut und weiterentwickelt werden. Deponierung von Plastikmüll sollte auch in anderen EU-Staaten der Vergangenheit angehören.

Recycling vorantreiben

Es braucht Innovationen, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Neue Verfahren, die das mechanische Recycling ergänzen, sollten technologieoffen gefördert und unterstützt werden. Insbesondere das chemische Recycling hat großes Potenzial, bisher ungenutzten Abfall in den Kreislauf zurückzubringen.

Chemisches Recycling als wichtiger Baustein

  • Kreislaufwirtschaft ist ein essenzieller Beitrag zum Erreichen des Ziels der Treibhausgasneutralität
  • Ziel der Branche ist eine Erhöhung der recycelten
    Abfallmenge in Deutschland und Europa
  • Chemisches Recycling ist eine wichtige Ergänzung
    zu bestehenden bewährten stofflichen Recyclingverfahren
  • Rechtliche Rahmenbedingungen müssen bei der Anrechnung chemischer Recyclingverfahren auf die gesetzlichen Recyclingquoten geschaffen werden, um
    Anreize für weitere Investitionen zu setzen

Mit ihrem Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft plant die EU-Kommission eine Initiative zur Stärkung der Nachhaltigkeit von Produkten.
Auch der VCI setzt sich auf allen Ebenen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ein. Die Chemie- und Pharmaindustrie begleitet die Ausgestaltung und weist auf mitunter noch zu wenig berücksichtigte Aspekte hin. Das betrifft zum Beispiel die Forderung, dass der Produktnutzen auch bei Verwendung recycelter Rohstoffe nicht beeinträchtigt werden darf. Ebenso müssen Transparenz und Geschäftsgeheimnisse in einem ausgewogenen Verhältnis bleiben.

Kreislaufwirtschaft Infografik
Alle Kreisläufe haben eines gemeinsam: Sie werden gebraucht. Denn eine für alle Anwendungen passende Ideallösung gibt es nicht.

Auf der Bundesebene ist die Anerkennung von anderen als rein mechanischen Recyclingverfahren ein Schlüssel zum Erfolg der zirkulären Wirtschaft. Hier hat der VCI zu einem Umdenken beigetragen, da die Bundesregierung nun neue Quotendefinitionen angekündigt hat, die explizit das chemische Recycling berücksichtigen. 

In Rheinland-Pfalz sind die Chemieverbände ein wichtiger Player im Transformationsrat der Landesregierung. Zusammen mit der IHK konnte hier ebenfalls ein branchenübergreifender Forderungskatalog eingebracht werden, der die Möglichkeiten und Erfordernisse der chemischen Industrie aufgegriffen hat. Die Landesregierung bringt ihrerseits die Erkenntnisse des Transformationsrats in die Bundesregierung ein.

Auch wenn es sprachlich zunächst widersprüchlich erscheinen mag: Die Kreislaufwirtschaft braucht die richtigen Weichenstellungen – und das auf allen politischen Ebenen. Wir sind optimistisch, dass wir als VCI diesen Prozess mitgestalten können.

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Stimmt die Chemie bei der Chemikalienstrategie?

Die EU-Kommission hat im Oktober 2020 ihre „Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit“ veröffentlicht. Mit zahlreichen Maßnahmen zum Gesundheits- und Umweltschutz ist sie Teil des europäischen „Green Deals“ und wird weitreichende Folgen haben. Dabei gerät die sichere Verwendung, die aus VCI-Sicht das oberste Ziel einer Chemikalienregulierung ist, zunehmend aus dem Blick.

Die Chemikalienstrategie verfolgt einen Regulierungsansatz, der sehr stark auf den gefährlichen Eigenschaften von Chemikalien basiert und die Bedingungen einer sicheren Verwendung außer Acht lässt: Die EU-Kommission plant neue Datenanforderungen, Verwendungsbeschränkungen und eine umfassende Regulierung von Stoffgruppen mit bestimmten Eigenschaften (etwa Persistenz, Mobilität oder endokrine Disruptoren). Beschränkungen von Chemikalien in Verbraucherprodukten oder auch in professionellen Verwendungen sollen künftig ohne vorherige Risikobewertung und Konsultation der Hersteller im Schnellverfahren erfolgen können. Bestimmte Polymere sollen registrierungspflichtig werden. Geprüft wird auch die Einführung eines Bewertungsfaktors für mögliche Kombinationseffekte von Stoffen. 

In der CLP-Verordnung sollen neue Gefahrenklassen eingeführt werden, teils unabhängig davon, ob es sich dabei um echte Gefahrenmerkmale handelt. Die Chemikalienstrategie führt auch neue Begriffe wie „sichere und nachhaltige Chemikalien“, „bedenkliche Stoffe“ oder „essenzielle Verwendungen“ ein. Hier sind klare Definitionen nötig, bei deren Erstellung die praktischen Auswirkungen berücksichtigt werden. 

Wird die Chemikalienstrategie jedoch nicht maßvoll umgesetzt, verringert sich die Zahl verfügbarer Chemikalien und ihrer Anwendungen
in Europa drastisch. Das würde beträchtliche negative Effekte auf die chemische Industrie als Hersteller unterschiedlichster Chemikalien, aber auch auf ihre Kundenbranchen nicht nur in Rheinland-Pfalz nach sich ziehen.

Umsatzverluste in der EU durch Chemikalienstrategie

Impact Analyse der ökonomischen Auswirkungen durch CEFIC

Der europäischen Chemieverband CEFIC hat eine Analyse der konkreten ökonomischen Folgen der ersten beiden geplanten regulatorischen Änderungen, der CLP-Verordnung und des Allgemeinen Risikoansatzes (GRA), durchgeführt.

Daran beteiligten sich auch Chemieunternehmen unterschiedlicher Größe und Geschäftsfelder aus Rheinland-Pfalz. Zusammen stehen sie für mehr als 80% des hiesigen Branchenumsatzes. Demnach würden in der EU rund 12.000 Chemikalien mit 28% bis zu 43% des Gesamtumsatzes betroffen sein. Darunter fallen z.B. Batterie- und Elektronikchemikalien, Baumaterialien, Lacke, Additive, Hochleistungskunststoffe, Materialien für Windenergieanlagen und Pharmazeutika. Alles Materialien, die für die Umsetzung des Green Deals notwendig sind.

Da die Substitutionsmöglichkeiten und die Reformulierungsoptionen begrenzt sind, hätte dies spürbare Folgen: Produkte verschwinden
vom heimischen Markt. Dies wird sich auf die Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze im Land auswirken. Und es bedeutet Verlust von
Innovationskraft. Die Studie geht von Umsatzeinbußen von mindestens 12% aus. Erforderliche Produkte und Technologien für die Transformation in der EU müssten dann in anderen Regionen der Welt entwickelt und importiert werden.

Eine solche Entwicklung würde das Potential der Chemie, zum Gelingen des Green Deals beizutragen, ungenutzt lassen. Während die
Minimierung des Einsatzes besonders gefährlicher Chemikalien und ihre Substitution durch weniger gefährliche und nachhaltige Stoffe
erklärtes Ziel des europäischen Chemikalienrechts ist, müssen aus VCI-Sicht bei allen neuen Regelungen die Auswirkungen vorab ermittelt und möglicher Schaden und Nutzen abgewogen werden.

Der VCI bringt daher mit dem europäischen Verband CEFIC Verbesserungsvorschläge ein, zum Beispiel zu Definitionen, Kriterien und dem
Vorgehen beim Risikomanagement. Auf Bundesebene konnte ein klares Bekenntnis zum Risikoprinzip im Koalitionsvertrag erreicht werden. In Rheinland-Pfalz haben Chemieverbände und Gewerkschaften gemeinsam ein Plädoyer für ein praktikables Vorgehen bei der Umsetzung der Chemikalienstrategie in Chemikalienrecht über den Transformationsrat der Landesregierung mit folgenden Argumenten eingebracht:

  • Vorhersehbarkeit und stabile Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Investitionen: bestehende REACH-Verordnung kontinuierlich weiterentwickeln
  • Herausforderungen des Green Deals: solider Übergangsrahmen für die chemische Industrie, der Zeit und Ressourcen für die Entwicklung von Innovationen lässt
  • etablierte Ansätze, wie die bewährte wissenschaftliche Risikobewertung im Rahmen von REACH für die Zulassung von Chemikalien beibehalten
  • mögliche neue – rein europäische – Gefahrenklassen in einer novellierten CLP-Verordnung haben Potential einer Inkompatibilität mit der internationalen UN-GHS-Systematik und sind nachteilig für die exportorientierten rheinland-pfälzischen Chemieunternehmen
  • Anreize für Forschung und Innovationen sowie Märkte für neue Chemikalien schaffen 
  • verstärkte Kontrolle der Einhaltung der REACH-, CLP- und Produktsicherheitsvorschriften für Importe in die EU: Verbraucherschutz und Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen, Stärkung des Vollzugs auch auf Länderebe
  • nachhaltige Chemikalien: Ganzheitlicher Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus und alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit im Blick hat (Ökologisch, Sozial und Ökonomisch)
  • weitere Herausforderungen berücksichtigen: Klimaneutralität, Digitalisierung und Aufbau einer Kreislaufwirtschaft
  • Bundesebene: Vertreter von Rheinland-Pfalz sollen sich für eine wirksame, aber auch für den Mittelstand umsetzbare Ausgestaltung von Novellierungen im Chemikalienrecht einsetzen

Ein Dringlichkeitscheck ist notwendig

Derzeit hält der VCI es unter den geänderten energie- und geopolitischen Rahmenbedingungen für dringend geboten, dass Berlin und Brüssel eine Dringlichkeitsanalyse der laufenden Gesetzesvorhaben vornehmen und priorisieren. Alle zeitnahen Lösungen, die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie unterstützen und so die Wirtschaft und Arbeitsplätze stabilisieren, sollten aus Sicht des VCI absoluten Vorrang haben. Parallel muss der Ausbau erneuerbarer Energien und der nötigen Infrastruktur mit aller Kraft vorangetrieben werden. Zur Kategorie „Aufschieben“ zählt für den VCI auch die EU-Chemikalienstrategie. Wenn es doch zu einer zeitnahen Umsetzung kommt, so muss diese unbedingt mit Augenmaß und in kleinen zeitlichen Schritten erfolgen, um unseren Unternehmen Anpassung zu ermöglichen. Zudem muss die Wirkweise der Regulierung eng gemonitort werden, um Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen und korrigieren zu können.

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Lösungsindustrie stärken, Transformation gestalten

Der regelmäßige Austausch mit rheinland-pfälzischen Abgeordneten ist wichtig, um die Auswirkungen politischer
Entscheidungen auf die Unternehmen zu verdeutlichen. Der Parlamentarische Abend Chemie mit Mitgliedern des rheinland-pfälzischen Landtages fand unter den Eindrücken der Corona-Krise und den Herausforderungen der Transformation statt.

Welche Weichenstellungen brauchen wir in Rheinland-Pfalz, um die Chemie ebenso widerstandsfähig in eine erfolgreiche, nachhaltige und digitale Zukunft zu führen? Und wie kann die Politik diesen Prozess unterstützend begleiten? Rund 50 Teilnehmende folgten der Einladung der Chemieverbände nach Mainz, um sich zu diesen Fragen auszutauschen.

Hauptgeschäftsführer Bernd Vogler verdeutlichte, wie Rheinland-Pfalz von der Leistungsfähigkeit der chemisch-pharmazeutischen Industrie profitiert. Speziell in der Corona-Krise hat die Branche Politik und Bevölkerung unterstützt. Deutlich über 10 Millionen Liter Desinfektionsmittel konnten den medizinischen und sozialen Einrichtungen in Deutschland zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Mit einer Plattform für Impfzubehör wurde die Verfügbarkeit von notwendigem Material wie Kanülen und Spritzen für die Corona-Impfungen gewährleistet. Nicht zuletzt haben die Unternehmen nach der schrecklichen Flutkatastrophe geholfen. Neben Spenden und Hilfslieferungen gab es vom Fonds der Chemischen Industrie unbürokratisch bis zu 5.000 Euro Soforthilfe für betroffene Schulen für die Beschaffung neuer Chemieausstattung. 

Doch nun ist die Unterstützung der Politik gefordert. Die Regulierungswellen aus Brüssel und Berlin sowohl im Arbeitsrecht als auch in der Umweltgesetzgebung treffen die Unternehmen mit voller Wucht.

Praxisnahe Beispiele kamen aus Mitgliedsunternehmen. So berichtete Peter Jansen über den Wiederaufbau der Lackfabrik Jansen in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe und seinen Erfahrungen mit Behörden und Genehmigungsverfahren. Hendrik Müller von Huhtamaki Foodservice gab Einblicke in die Auswirkungen des Einwegkunststoffverbotes am Standort in Alf. Sebastian Schäfer vermittelte einen Eindruck über den konzerninternen Wettbewerb bei Grace und wie Worms im internationalen Vergleich durch das geplante Chemikalienrecht mit Nachteilen zu kämpfen hat. Eindrucksvoll und griffig formulierte Melanie Maas-Brunner die geostrategischen und standortspezifischen Herausforderungen sowie die fiskalischen Folgen der politischen Vorgaben für
die BASF in Ludwigshafen.

Offen war der Austausch und auf den Punkt gebracht. Und einige Abgeordnete sind mit bisher unbekannten Einblicken zurück zur politischen Arbeit gegangen.

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Biotechnologie verändert das Leben – jetzt und in der Zukunft

Sabine Nikolaus, Vorsitzende der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Ein Kommentar von
Sabine Nikolaus,
Vorsitzende der Chemieverbände
Rheinland-Pfalz

Die Biotechnologie ist ein Innovationsmotor für den Standort Deutschland und auch ganz besonders für Rheinland-Pfalz. Die Schlagzeilen werden beherrscht durch Impfstoffe gegen Corona. Doch diese
Technologie kann mehr – in vielen medizinischen Anwendungsgebieten haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verbessert und sogar neue Therapieoptionen für Erkrankte ermöglicht.

Diese Zukunftstechnologie hat das Potenzial, entscheidend zur Wertschöpfung im Land beizutragen. Das hat die Pharma-Branche in den letzten zwei Jahren eindrucksvoll bewiesen. Hier arbeiten innovative Firmen und hervorragende Forschungseinrichtungen. Das ist der Grund, warum wir in Europa eine Vorreiterrolle in der Biotechnologie einnehmen. Doch dürfen wir uns auf dem Erfolg der letzten zwei Jahre nicht ausruhen. Andere Länder ziehen gleich oder holen auf. Daher müssen wir unser Potenzial und unser gesammeltes Wissen nutzen, um unsere Stärken weiter auszubauen. 

Die Landesregierung beweist mit ihrer Initiative zur Biotechnologie Weitblick. Millionen Euro wurden investiert und sollen weiter investiert werden, um die Grundlagenforschung und die anwendungsnahe Forschung zu verstärken. Und auch die Firmen der medizinischen Biotechnologie investieren viel Geld in die
Entwicklung neuer Wirkstoffe und stellen zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Alles ist auf Wachstum ausgerichtet.

Neben Geld braucht es kluge Köpfe und passende politische Rahmenbedingungen. Ich freue mich daher, dass der Beirat für Biotechnologie in Rheinland-Pfalz geschaffen wurde. 21 Expertinnen und Experten aus Rheinland-Pfalz begleiten die Initiative des Landes, beraten und entwickeln Konzepte. In der Gründungssitzung des Beirates Mitte März sind die Ideen nur so gesprudelt. Das zeigt mir, dass wir auf einem guten Weg sind, um mit viel Engagement, Wissen und Kraft die Biotechnologie weiter voranzutreiben. 

Deutschland ist die weltweite Nummer zwei bei der Produktion von Wirkstoffen. Bei den Produktionskapazitäten sind wir aber um zwei Plätze zurückgefallen und liegen jetzt auf dem fünften Rang. Eine Ursache dafür sind die steuerlichen Rahmenbedingungen. Wir brauchen eine Politik des Förderns und Ermöglichens, um unsere gute Position nicht zu verlieren. Dazu gehören der Abbau von Bürokratie und administrativen Hürden, Ausbau der Digitalisierung, eine bessere Vernetzung und Kooperation aller
Stakeholder im Gesundheitssystem sowie bessere Rahmenbedingungen für die Bereitstellung von Wagnis- und Innovationskapital.

Deutschland kann Innovation. Lassen Sie uns den kooperativen Spirit aus der
Corona-Pandemie weiter nutzen.

Sabine Nikolaus wurde Mitte März zur Vorsitzenden des Beirates der Biotechnologieinitiative Rheinland-Pfalz gewählt. Den jährlich erscheinenden Biotechnologie-Report des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) finden Sie online unter https://vfa-bio.de/publikationen

Chemie-Recht§portal

Eine zeitgemäße Arbeitshilfe für die Personalabteilungen ging Anfang dieses Jahres online. Das Rechtsportal hilft, Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag leichter zu lösen. Hierzu bietet es verschiedene interaktive Werkzeuge an.

Chemie Rechtsportal

Das innovative Legal-Tech-Angebot vereint bestehende digitale und analoge Angebote der Chemie-Arbeitgeberverbände mit neuen Tools für die Mitgliedsunternehmen. Kernstück sind die mehr als 40 interaktiven Entscheidungsdialoge. Mit ihnen können die Nutzerinnen und Nutzer online Auskünfte zum Arbeitsrecht und zu den Chemie-Tarifverträgen erhalten. 

Das System führt zu den Antworten auf häufige Fragen aus der Mitgliedschaft. Hinweise und Beispiele unterstützen bei der Beantwortung der Fragen und liefern relevante Zusatzinformationen. Die Entscheidungsdialoge umfassen Themenfelder von A wie „Arbeitszeit“ bis Z wie „Zeiten ohne Arbeitsleistung“. Weitere Dialoge sind geplant und werden laufend in das Portal eingefügt.

In das Rechtsportal integriert wurde der bekannte Dokumentengenerator. Hinzu kamen ein Rechner für Urlaubsansprüche sowie ein Wiki. Dort gibt es aktuelle Informationen zu rechtlichen Themen sowie ausgewählte Inhalte der bewährten BAVC-Handbücher „Arbeitsvertragsgestaltung in der chemischen Industrie“ sowie „Das Arbeitsverhältnis in der chemischen Industrie“.

Feedback erwünscht

Das Chemie-Rechtsportal ist als ein Projekt angelegt, welches sich weiterentwickelt und an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer orientiert. Rückmeldungen an den Arbeitgeberverband sind daher ausdrücklich erwünscht. Der Weg zum Chemie-Rechtsportal führt über den Mitgliederbereich der Webseite. Nach Anerkennung der Nutzungsbedingungen kann das Angebot online aufgerufen werden.

Die Bausteine im Überblick

Altersteilzeit

TV Demo

Dienstreise

Zulagen

Langzeitkonten

Freistellung der Arbeitnehmer

BEM

Verdienstausfall

Kurzarbeit

Arbeitszeit

Inklusionsbeauftragte

Gefährdungsbeurteilung

Kündigung

Teilzeit

Zuschläge

Mehrarbeit

Krankenrückkehr-Gespräche

TV moderne Arbeitswelt

Rentenabschläge

Todesfall

Entgeltfortzahlung

Höhergruppierung

Eignungsuntersuchung

Zusätzliches Urlaubsgeld (Rechner)

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Konjunktur

Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz hat sich im Jahr 2021 sehr stark erholt. Profitiert haben davon auch alle Wirtschaftszweige, in denen die Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände tätig sind. Mit Beginn des vierten Quartals 2021 hat sich jedoch die Stimmung gedreht. Aufgrund stark steigender
Preise bei Rohstoffen, Energie und Logistik gerieten die Gewinnmargen unter Druck. Für große Unsicherheiten und einen ungewissen Ausblick sorgte letztlich der Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen auf die Branche.

Die Erholung der Betriebe im Jahr 2021 ging rasch vorwärts. Die globale Nachfrage nach Produkten stieg. Insgesamt hat die Chemie-Industrie einen Umsatz von 30,7 Milliarden Euro und damit rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr erwirtschaftet. Gestiegen sind auch die Aufträge (+16%) und die Produktion (+6,1%). Gute Zuwächse gab es ebenfalls bei den Kunststoffverarbeitenden Betrieben sowie Lack- und Farbherstellern. Speziell das Wachstum bei Pharma ist coronabedingt sehr groß ausgefallen. Die Umsätze haben sich
fast verdoppelt und stiegen auf 5,6 Mrd. Euro. Ein beträchtlicher Anteil des Zuwachses geht auf die Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes zurück und spiegeln kein Wachstum der gesamten Branche wider. Diese hatte im Jahr zuvor noch ein Umsatzminus

Licht und Schatten in der Branche

Insgesamt ist bei dem Wachstum in den Betrieben zu beachten, dass hier verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, die den Zuwachs relativieren. Die Umsatzsteigerung begründet sich nicht nur in der Erholung der Branche. Sie ist zum Teil auch auf Preiserhöhungen zurückzuführen, um die Kostensteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Logistik weiterzugeben. So teilte das statistische Landesamt Ende März mit, dass die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte den stärksten Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahre 1949 erlebt haben. Im Jahr 2021 betrug der Anstieg 11% gegenüber dem Vorjahr, im Dezember 24%. Laut einer VCI-Umfrage im Herbst 2021 konnten die Betriebe die Preise nur teilweise weitergeben und hatten dadurch spürbar geringere Gewinne zu verkraften.

Bei den Aufträgen sind Nachholeffekte zu berücksichtigen. Dies wird auch daran deutlich, dass der starke Anstieg bei den Chemie-Aufträgen nur bis August anhielt. Danach gingen die Bestellungen deutlich zurück, in den Monaten Oktober und November lagen diese sogar unter dem Vorjahreswert. Zudem konnten die Betriebe nicht alle Aufträge abarbeiten. Denn bereits im 3. Quartal machten sich Lieferengpässe bemerkbar.

Umsatz 2021 in Mio. Euro

Gestörte Lieferketten belasten Produktion

Die anhaltenden Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten belasten die Betriebe. Hinzu kommen Kaskadeneffekte durch Schwierigkeiten bei den Kundenindustrien. Wenn zum Beispiel in der Fahrzeugherstellung Bauteile fehlen, wird bereits gefertigte Ware der Chemiebetriebe nicht abgerufen. Damit verbunden ist eine hohe Volatilität in der Produktion. Besonders betroffen sind die Automobilzulieferer. Nach der Corona-Krise kam die Halbleiter-Krise. Dies bedeutet einen Wechsel zwischen Kurzarbeit und
Vollauslastung im Wochentakt. Eine vernünftige betriebswirtschaftliche Planung ist hier schwer möglich. Der Bereich Automotive ist auch derjenige in der Mitgliedschaft der Chemieverbände, der wirtschaftlich am stärksten unter Druck steht.

Die gestörten Lieferketten sind auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Chemieproduktion seit Dezember 2021 wieder nachlässt. Sie liegt noch unter den Jahren 2019 und 2018 – damit ist das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht.

Auch 2022 hatte sich die Konjunktur bereits weiter abgekühlt. Nachdem sich die Betriebe auf hohe Investitionen eingestellt hatten, um die Transformation der Branche zu meistern, warf der Ukraine-Krieg einen großen Schatten auf viele Betriebe. Der russische und ukrainische Markt für die chemisch-pharmazeutische Industrie sind in der Gesamtbetrachtung mit rund drei Prozent relativ gering. In der Einzelbetrachtung ist die Betroffenheit jedoch sehr unterschiedlich und die Sanktionen gegenüber Russland treffen dann stark. Die deutlich größere Belastung für die Branche stellt die unsichere Versorgung mit Rohstoffen dar. Speziell Erdgas wird als Rohstoff und zur Stromerzeugung genutzt. In Rheinland-Pfalz deutlich mehr als im deutschen Durchschnitt.

Stabiles Angebot für junge Menschen beim Start ins Berufsleben

1.289 Ausbildungsplätze haben die Mitgliedsunternehmen des Verbandes im vergangenen Jahr angeboten. Diese zu besetzen wird zunehmend schwerer, insbesondere in der Produktion. Es wird deutlich, dass sich der Markt gedreht hat: Der Bedarf an Fachkräften steigt. Das ist gut für die Azubis. Denn wer seine Ausbildung erfolgreich beendet, wird in der Regel vom Betrieb übernommen. Dies zeigt die Übernahmequote von 98 Prozent. Abgenommen haben die Förderangebote in der Chemie hin zur Ausbildungsreife, da die jungen Menschen direkt mit einer Ausbildung beginnen.

Von den angebotenen Plätzen entfallen 1.055 auf eine duale Ausbildung, 124 auf ein duales Studium und 110 auf eine Fördermaßnahme.

Verbandsstruktur nach Arbeitsgebieten im Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz

Verbandsstruktur - Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz
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Schulförderung durch die Chemieverbände

Finanzielle Unterstützung, Wettbewerbe, Gen-Labore, Experimente und Weiterbildungen. Mit einem vielfältigen Angebot fördert der VCI in Rheinland-Pfalz den MINT-Unterricht. Dies
dient auch der Nachwuchsgewinnung für die Unternehmen.

Seit vielen Jahrzehnten unterstützt die chemische Industrie den experimentellen Unterricht an den Schulen. Regelmäßig überweist der Fonds der chemischen Industrie (FCI) Geldbeträge. Im Jahr 2021 waren es rund 30.000 Euro, die an Schulen in Rheinland-Pfalz gingen. Die Fördersummen schwanken zwischen 400 und 2.500 Euro. Dies hängt ab von der Schulform und dem Antrag. Zudem gab es 20.000 Euro für ein Mentoring-Programm des Schülerforschungszentrum Prümer Land im Naturpark Nordeifel e.V..

Eine zusätzliche unbürokratische Flut-Hilfe kam ebenfalls vom FCI. Damit Schulen die verlorene Chemie-Ausstattung wieder beschaffen konnten, wurden Sondermittel bereitgestellt. Bis zu 5.000 Euro konnten Schulen erhalten und so eine neue Labor-Ausstattung kaufen. Neue Lehrmethoden an den Hochschulen unterstützt der Fonds ebenfalls. Die Technische Universität Kaiserslautern erhielt 10.000 Euro, um im Bachelorstudiengang Chemie die Digitalisierung weiter voranzutreiben.

hristine von Landenberg vom VCI-Landesverband überreicht die Urkunde an das Cusanus-Gymnasium in Wittlich.
"Leben mit Chemie" - Christine von Landenberg vom VCI-Landesverband überreicht die Urkunde an das Cusanus-Gymnasium in Wittlich

Begeisterung durch Forschung und Wettbewerbe

Erstmals durchgeführt wurde 2021 der Eierschalen-Wettbewerb, um den Nesthockern im Lockdown eine Abwechslung zu bieten. Der
Wettbewerb des VCI-Landesverbandes richtet sich an Grundschulen. Einzelne Schüler und ganze Schulklassen haben begeistert teilgenommen. 

Für die älteren Klassen gibt es das Angebot der mobilen Gen-Labore. Das Konzept wurde in Hessen entwickelt und für Rheinland-Pfalz übernommen. In einem gemeinsamen Projekt des Bildungsministeriums und des VCI-Landesverbandes wurden zwei Labore angeschafft, die seither durch Schulen ausgeliehen werden können. Sie ermöglichen biotechnologische Experimente mit modernster Labortechnik, wie sie weltweit in Forschungseinrichtungen vorzufinden ist. 

Langjähriger Partner ist der VCI-Landesverband beim rheinland-pfälzischen Wettbewerb „Leben mit Chemie“. Der Experimentalwettbewerb richtet sich an die fünften bis zehnten Klassen. Hier hat jüngst das Cusanus-Gymnasium in Wittlich den Sieg errungen. Beeindruckend war der Wettbewerb im Jahr zuvor. Da hatte sich die Realschuleplus in Edenkoben erstmals gegen die langjährige Dominanz der Gymnasien durchgesetzt. 

Über eine Auszeichnung freuen konnten sich auch drei Schulen aus Rheinland-Pfalz. Sie setzten sich im Wettbewerb „Digitalisierung im Chemieunterricht“ gegen 27 Mitbewerber durch. Den Wettbewerb ausgerufen hatte der Fonds der Chemischen Industrie. Einen Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro erhielt die IGS Kandel für ihr Projekt „Visualisierung des Atomaufbaus und des Kugelwolkenmodells“. Prämiert wurde das Projekt für den zeitgemäßen und innovativen Einsatz von Virtual-Reality- und AR-Anwendungen, um die Welt auf Teilchenebene zu visualisieren sowie gleichzeitig Erfahrungen mit digitalen Tools zu sammeln.

Stratosphären-Experimente

Seit Mai gibt es mit dem „Klassenzimmer am Rande des Weltalls“ ein weiteres Angebot. Der FCI fördert Stratosphären-Experimente und finanziert die Anschaffung der Ausrüstung. Mit einem Wetterballon, der mit Kameras und Messgeräten ausgestattet ist, können Schüler ihre eigene Forschungsreise in eine Höhe von bis zu 40.000 Metern starten. Dorthin, wo der Horizont geprägt ist vom blauen Erdball und dem schwarzen Weltall. Kleine Videokameras filmen die gesamte Forschungsmission und bieten so neue Einblicke.

Nachdem die Forschungssonde am Fallschirm sicher gelandet ist, wird sie mit Hilfe von GPS-Geräten lokalisiert und geborgen. Anschließend können die Experimente, Mess- und Videodaten ausgewertet und für eine Schulausstellung aufbereitet werden.

Wissen durch Weiterbildung

Speziell für Lehrkräfte gibt es Weiterbildungs- und Schulungsangebote zu verschiedenen Themen. In Kooperation mit den Metallverbänden werden die MINT-Tage für Grundschulen und weiterführende Schulen durchgeführt. Die Online-Fortbildungsreihe MI(N)Treden greift aktuelle Themen auf und bietet Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuesten Forschungsergebnissen. Die Fortbildung findet in Kooperation mit dem Pädagogischen Landesinstitut statt und hat regelmäßig zwischen 50 und 100 Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Clou: Neben der Vermittlung des Wissens werden auch Bezugspunkte zum Unterricht hergestellt. 

Die Sicherheit und der Schutz von Schülern und Lehrern ist beim Experimentieren zentral. Daher werden regelmäßig Weiterbildungen zu DEGINTU in Kooperation mit der BG RCI angeboten. Hier geht es grundlegend darum, das Bewusstsein für mögliche Gefahren und deren Ursachen zu schärfen sowie Risiken zu erkennen und zu beherrschen. Mit DEGINTU steht zudem ein Angebot bereit, das Lehrkräfte dabei unterstützt, ihren Experimentalunterricht effizient vorzubereiten und sicher durchzuführen.

Video: mobile Genlabore

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Video: Eierschalenwerkstatt

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Video: MI(N)Treden

Der Fonds der Chemischen Industrie …

… wurde 1950 gegründet und ist das Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie. Der FCI stellte 2021 rund 11,4 Millionen Euro für die Grundlagenforschung, den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Chemieunterricht an Schulen zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.vci.de/Fonds.

Das Online-Portal „Deutsches Gefahrstoffinformationssystem für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht der Gesetzlichen Unfallversicherung (DEGINTU)“ …

… soll die Lehrkräfte bei der sicheren Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts unterstützen. Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) hat den gesetzlichen Auftrag, Arbeitsunfälle zu verhüten. Die Genossenschaft unterstützt die Betriebe in allen Fragen des Arbeitsschutzes, schult die Versicherten, erforscht Unfallursachen und prüft technische Arbeitsmittel.

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Orientierung zum beruflichen Werdegang:

Der digitale Berufskompass

Fachkräfte für die Zukunft sichern und die eigenen Talente im Betrieb halten. Das ist das Ziel des Berufskompass Chemie. Die Orientierung für Nachwuchskräfte fand im Coronajahr 2021 erstmals digital statt. Das Format bietet Vorteile.

Seit 2013 organisiert der Arbeitgeberverband Chemie den Berufskompass Chemie. Alle zwei Jahre werden junge Menschen aus den
Mitgliedsbetrieben eingeladen, sich über die berufliche Entwicklung nach der Ausbildung zu informieren. Doch im Corona-Jahr war alles neu. Da persönliche Treffen nicht mehr stattfinden konnten, wurde das Programm auf digital umgestellt.

Die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gebeten, zu Hause oder im Betrieb zu bleiben und sich mit einem Laptop oder PC in eine Konferenz-Software einzuwählen. Gesendet wurde der Berufskompass live aus dem Gutenberg Digital Hub in Mainz. Unter Einhaltung der gültigen Hygiene- und Abstandsregeln stellten sich die vier junge Menschen, die selbst vor Kurzem eine Fortbildung gemacht haben, den Fragen des Moderators und der Teilnehmenden.

Das digitale Format ist bei allen sehr gut angekommen und hat einige Vorteile aufgezeigt: Die Teilnehmenden verfolgten im Betrieb oder aus dem Home-Office die Veranstaltung. Anreisewege gab es nicht. Die Bildschirme stellten keine Barriere dar, denn über den Chat und eine professionelle Moderation gab es eine hohe Interaktion zwischen allen Beteiligten.

Aus den Unternehmen kam zudem die Rückmeldung, dass durch dieses Format mehr junge Menschen teilnehmen können, da es dort gezielt als Teil des Ausbildungsprogrammes eingesetzt werden kann.

Hintergrundwissen

Mit dem Berufskompass Chemie bieten die Chemie-Sozialpartner den jungen Menschen eine wichtige Orientierung, wie es beruflich weitergehen kann. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz steht der praktische Bezug. Nachwuchskräfte, die den Schritt in ein Studium oder eine Fortbildung bereits gemacht haben, berichten aus ihrer eigenen Erfahrung. Dazu gehören auch persönliche Fragen, zum Beispiel der Umgang mit Belastungen oder die Verknüpfung von Weiterbildung und Beruf. So
profitieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den Erfahrungen anderer und gewinnen neue Perspektiven auf die Vor- und Nachteile einer Weiterbildung. Das abwechslungsreiche Programm bietet zudem Tipps zur Selbstmotivation und Lernstrategien.
www.chemie-rp.de/ausbildung-beruf/berufskompass-chemie

Durch Weiterbildung können Fachkräfte gesichert werden. Dies bestätigt auch eine Forsa-Studie zum „Wert der Weiterbildung“ vom März 2021. Auftraggeber war die Haufe-Akademie. Laut Studie halten 87% der Befragten im Alter bis 35 Jahre eine Weiterbildung für wichtig bis sehr wichtig.

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Taffe Zeiten … für HR!

Mit hoher Taktzahl ging es für HR-Verantwortliche und das Juristen-Team auch im letzten Berichtsjahr weiter. Corona, Careflex und politische Weichenstellungen haben keine Entspannung zugelassen. Es gab viel Beratungs- und Austauschbedarf.

Die Corona-Pandemie hatte sich von Beginn an dadurch ausgezeichnet, dass die Betriebe auf sich fast täglich ändernde Lagen reagieren mussten. Und obwohl ein gewisser Gewöhnungseffekt aufgetreten ist, blieb der Beratungsbedarf sehr hoch. Viele Anfragen betrafen den Umgang mit Quarantäne und Entschädigungen. So lehnte zum Beispiel die Landesbehörde Anträge ab, obwohl diese formal korrekt gestellt worden waren. 

Auch die 3G-Regelung stellte die Betriebe in der praktischen Umsetzung vor Herausforderungen. Allein die Gewährleistung der Kontrollen stellte einen hohen Aufwand dar. Bei der Umsetzung der Vorgaben in der Praxis berieten die Juristen häufig zu Fragen der Mitbestimmung und der digitalen Übermittlung des 3G-Nachweises sowie zum Umgang bei Verstößen und Verweigerungen. Auffällig war der Anstieg verhaltensbedingter Fälle, die zu Abmahnungen und Kündigungen geführt haben.

Ein großer Benefit für viele HR-Abteilungen war die schnelle Unterstützung für eine datenschutzkonforme Erfassung des Impfstatus der Beschäftigten – deutlich vor Eintritt der gesetzlichen Regelung.

Careflex vorbildlich umgesetzt

Mit der Tarifvereinbarung Careflex wurden erstmals alle Tarifbeschäftigten der Mitgliedsunternehmen gegen das Pflegerisiko abgesichert. Nach Unterzeichnung der Verträge mit einem Konsortium deutscher Versicherungskonzerne begann die Umsetzung mit den Unternehmen. Der Zeitplan war straff, da Mitte 2021 der Vertrag offiziell begonnen hat. Und da hier neue Wege beschritten wurden, gab es unter Zeitdruck verschiedene Herausforderungen zu meistern. Das Schnittstellenproblem zur Datenübertragung war eine davon. Mit hohem Engagement haben sich in Rheinland-Pfalz alle Mitgliedsunternehmen rechtzeitig angemeldet und die Vorgaben umgesetzt. Das war aufgrund der allgemeinen Lage in den Betrieben keine Selbstverständlichkeit.

Arbeitsrechtsentscheidungen

Neben Corona und Careflex galt es Neuerungen im Arbeitsrecht umzusetzen und vorzubereiten. Dazu gehören unter anderem das Betriebsrätemodernisierungsgesetz, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, das Betriebliche Eingliederungsmanagement sowie die EU-Richtlinie zu Mindestarbeitsbedingungen (Nachweisgesetz). Hier ergeben sich für den
Arbeitgeber erweiterte Informationspflichten zu den Vertragsbedingungen, die Berlin nochmals verstärken möchte. Auch wenn die Umsetzung zum 01. August 2022 erfolgen soll, sorgt dies bereits im Vorfeld für einen hohen Arbeitsaufwand.

virtuelle AdHoc-Austauschrunden

Fest etabliert hat sich der Austausch über Videokonferenz-Systeme. Besonders geschätzt wurde der Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen und den Juristen zu aktuellen Themen. So konnten Best-Practice-Beispiele besprochen und aus juristischer Perspektive moderiert werden.

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Maximale Bekanntheit bei geringem Budget

„Werden Sie Wegbereiter:in für die Themen Ihres Unternehmens“ war das Thema des Content Camps im letzten Jahr. Die Teilnehmenden lernten Methoden und Kreativ-Techniken kennen, um neue Perspektiven einzunehmen und die eigene Kommunikation bei HR und Vertrieb zu verbessern.

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Auf eine Reise mit vielen neuen Impulsen haben die Chemieverbände im September 2021 eingeladen. Ausgangspunkt war eine Herausforderung, die sich vielen Unternehmen stellt: Es gibt es ein neues Produkt, ein wichtiges Firmenjubiläum oder die Suche nach Fachkräften. Das Ziel: Maximale Bekanntheit bei möglichst wenig Aufwand und geringem Budget. Keine leichte, aber eine machbare Aufgabe – spätestens nach dem Besuch des Content Camps Chemie.

Das Camp ist ein dynamisches Weiterbildungsformat. Unter dem Leitgedanken „Lernen durch Tun“ erarbeiten die Teilnehmenden ihre Learnings gemeinsam in Gruppen – auf Augenhöhe und angeleitet von fachkundigen Trainern. Nach dem Camp konnten sie das Erlernte direkt praktisch anwenden.

Die digitale Umsetzung dieses Formates war eine Herausforderung, da im letzten Jahr bereits eine digitale Müdigkeit eingesetzt hatte. Es galt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anders abzuholen und einzubinden. Gelöst wurde die Herausforderung, indem verschiedene Tools genutzt wurden: Auf der digitalen Plattform Gathertown konnte man sich mit Avataren in Räumen bewegen und so in Gruppen arbeiten oder sich auch mal mit anderen Teilnehmenden unterhalten. Gemeinsam gearbeitet wurde mit Mural, einem interaktiven Whiteboard. So wurden die Beteiligten immer wieder aufgefordert, sich einzubringen. 

Ausgehend von einem konkreten Beispiel standen Denk- und Arbeitsweisen im Fokus, mit denen die Themen im Unternehmen für unterschiedliche Kanäle und Zielgruppen aufbereitet werden. In Teamarbeit wurde so eine spannende Multi-Story mit Perspektivwechsel entwickelt. Die Teilnehmenden lernten hilfreiche Konzeptionsmethoden für den Arbeitsalltag kennen und konnten professionell mit Lego spielen.  

Lego? Richtig gelesen. Mit den Kreativbausteinen können eingefahrene Denkstrukturen aufgebrochen und neue Perspektiven erlebt werden. Bei Agenturen fast schon Alltag, findet man diese Methode im klassischen Business eher selten. Mit Lego Serious Play können Ideen begreifbarer gemacht werden, dies hatte dem digitalen Format einen zusätzlichen Schub gegeben. 

Eine Zusammenfassung des Camps sowie das Methodenhandbuch sind online unter https://barcamp-chemie.de abrufbar. Das nächste Camp ist für September 2022 geplant.

 

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Urkunden für die Betriebe

Der Arbeitgeberverband zeichnet Mitgliedsunternehmen für deren Ausbildungsengagement aus. Die Übergabe der Urkunden ist eine gute Gelegenheit für die Betriebe, um sichtbarer zu werden.

Ausbildungsbetriebe leisten einen zentralen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Branche in Rheinland-Pfalz. Diesen Beitrag wollen die Chemie-Arbeitgeber stärker sichtbar machen

Zusammen mit der Urkunde erhalten die Betriebe ein Rundum-Sorglos-Paket für die eigene Kommunikation: Texte für die Medieninformation, Banner für die Homepage und Grafiken für Social Media. Zusammen mit den professionell erstellten Bildern der Übergabe informieren die Chemieverbände über das Ausbildungsengagement der Unternehmen an die Presse, auf Twitter, LinkedIn und dem Ausbildungsblog Chemie-Azubi. 

Dass diese Aktionen gut ankommen, zeigen die Kommentare in den sozialen Medien. Aber auch in der internen Unternehmenskommunikation oder in Berichten an die Konzernführung werden die Texte und Bilder gerne eingesetzt.

Der Anfang ist gemacht

Die bislang ausgezeichneten Betriebe überzeugen über das Ausbildungsplatzangebot hinaus mit einer umfangreichen und durchdachten Ausbildung: 2021 hat AbbVie in Ludwigshafen sein Angebot an Ausbildungsplätzen nahezu verdoppelt. Durch viele Rotationsmöglichkeiten zwischen den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Arzneimittelherstellung bekommen die Auszubildenden einen breiten Überblick über die Lerninhalte.

Der Kunststoff-Spezialist Polycasa in Mainz hat seine Ausbildung 2016 wieder aufgenommen. Die hohe Ausbildungsquote von sechs Prozent spricht für das Unternehmen.

Renolit ist Hersteller von Kunststoff-Folien und ausgezeichneter
Ausbildungsbetrieb. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Worms bildet in neun Ausbildungsberufen und fünf dualen Studiengängen aus.

Hohe Übernahmequoten und eine kompetente Ausbildung bietet auch Thor an. Das Unternehmen produziert Spezialchemikalien in Speyer und investiert in die Mitarbeitenden mit vielen Zusatzangeboten.

Zum Beispiel durch die Finanzierung von Sportgruppen, die von den Beschäftigten und Azubis organisiert werden. Bei rund 60 Ausbildungsbetrieben werden weitere Auszeichnungen
folgen. Da sind wir uns sicher.

Nach 15 Jahren Pause wird die Auszeichnung auf Anregung des Mitgliedsunternehmens Finzelberg wieder vergeben. Das Unternehmen setzt sie im Ausbildungsmarketing erfolgreich ein.

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"Wir. Hear."

Die chemische Industrie ist mit grundlegenden strukturellen Veränderungen konfrontiert. Dieser Wandel wird im neuen Podcast aufgegriffen. Führungskräfte und Experten innerhalb und außerhalb der Chemie-Industrie kommen zu Wort. Im Gespräch geht es um ihre Perspektiven.

Gesellschaft und Arbeitswelt befinden sich derzeit im Wandel. Die Mehrzahl der Unternehmen sind vielfältigen Veränderungen ausgesetzt. Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, EU-Chemikalienpolitik, Digitalisierung sowie demografischer Wandel und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges sind Herausforderungen für die Führungskräfte in den Unternehmen. 

Meinung. Orientierung. Wissen.

Impulse geben und Orientierung bieten will hier der Podcast der Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Eingebettet in die Mitgliederkommunikation des Magazins „Wir. Hier.“ richtet sich der Podcast „Wir. Hear.“ speziell an Frauen und Männer, die Perspektiven und Erfahrungen von anderen Menschen hören wollen.

Das Dialogformat dauert rund 30 Minuten und kann flexibel konsumiert werden – bei Dienstreisen oder dem morgendlichen Laufen. Das ist auch einer der Gründe, warum Podcasts sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Man lernt oder informiert sich nebenbei.

Die bisherigen Themen des Podcasts

  • „Führen aus der Ferne“ mit Harald Schaub von der Chemischen Fabrik Budenheim
  • „Verbot von Einwegkunststoffen“ mit Hendrik Müller von Huhtamaki
  • „Modernes Führen“ mit Coach Susanne Breuer
  • „Product Carbon Foodprint der BASF“ mit Jan Schöneboom
  • „Frauen in Führung“ mit Stefanie Hauck von AbbVie
  • „Künstliche Intelligenz“ mit Martin Ruskowski von SmartFactory
  • „Digitalisierung des Business“ mit Alexander Janthur von Turbine Kreuzberg
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