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Jahresbericht 2019/20
der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Chemie im
Strukturwandel

Der Strukturwandel bleibt eine große Aufgabe für Politik und Wirtschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

anfang des Jahres war nicht abzusehen, dass im März ein Virus den Lockdown des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt notwendig machen würde.

Unternehmen leben vom weltweiten Handel – das hatte ich schon vor zwei Jahren an dieser Stelle deutlich gemacht. Es war ein Plädoyer für offene Grenzen und offenen Austausch; angesichts protektionistischer Tendenzen und volatiler globaler Märkte. Nun hat COVID-19 die Weltwirtschaft aus dem Tritt gebracht. Schon vor der Pandemie hatte die chemisch-pharmazeutische Industrie 2019 mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Nun gehören zu den Auswirkungen der Pandemie in den vielen Mitgliedsbetrieben Geschäftsrückgänge und Kurzarbeit zur Realität. Eine seriöse Prognose, was 2020 bringen wird, ist nicht möglich.

In dieser Situation war und ist der Verband als Unterstützer und Berater gefragt. Unser 17-köpfiges Team der Bürogemeinschaft aus dem Arbeitgeberverband Chemie und dem VCI-Landesverband unterstützt gemeinsam die Mitgliedsunternehmen – egal ob individuelle Beratung bei allen arbeitsrechtlichen Fragen oder bei Informationen zu wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen wie Liquiditätshilfen und Fristenverlängerungen bei Anlagengenehmigungen.

Auch politisch ist dies eine herausfordernde Zeit. Stets bestand guter Kontakt der Verbände zur Landesregierung, der Gewerkschaft und auch zu anderen Verbänden wie der LVU, deren Arbeit wir im Jahresbericht vorstellen. Der direkte Draht war wichtig, um sich bei der Festlegung von Rahmenbedingungen und Stellungnahmen schnell austauschen zu können. Im Eiltempo wurden Gesetze beschlossen, Vorschriften geändert und Handlungsspielräume für Unternehmen geschaffen.

Mehr über die politische Arbeit aus der „Vor-Corona-Zeit“, als persönliche Treffen mit Abgeordneten aus Landtag, Bundestag und Europäischen Parlament stattfinden konnten, lesen Sie auf den folgenden Seiten. Darin geht es um die wichtigen Themen Standort- und Infrastrukturpolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsförderung, sowie Bürokratieabbau und Energiepolitik.

Auch wenn die Pandemie zurzeit das Alltagsgeschäft dominiert: der Strukturwandel bleibt eine große Aufgabe für Politik und Wirtschaft. Diesen können die Unternehmen nur vollziehen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben. An besseren politischen Rahmenbedingungen für diese herausfordernde Transformation arbeiten wir weiter.

Immer ein wichtiger Faktor ist Planungssicherheit. Diese konnten wir mit dem aktuellen Tarifvertrag erreichen, der seit November für die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes gilt. Viele Gespräche und Verhandlungen hat es gebraucht, um zu einem Kompromiss zu kommen: eine lange Laufzeit und eine moderate Lohnkostensteigerung. Über die letzten Tarifverhandlungen und über weitere Themen lesen Sie in diesem Jahresbericht mehr.

Zuletzt möchte ich mich bei all jenen bedanken, die in dieser Krise schnell und flexibel reagiert und mit Einsatz so viel möglich gemacht haben. Während diese Zeilen geschrieben werden, geht es in kleinen Schritten in die neue Normalität. Schauen wir optimistisch auf das nächste Jahr und bleiben Sie gesund.

Ihr Bernd Vogler
Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Tarifverhandlungen 2019

Es waren komplexe Gespräche, die Chemie-Arbeitgeber und Gewerkschaft IG BCE im letzten Jahr geführt haben. Kräftige Umsatz- und Auftragsrückgänge hatten der Branche zugesetzt und den Spielraum für Umverteilungen stark eingeengt. Am Ende steht ein schwieriger Kompromiss – mit Gestaltungsspielraum für die Unternehmen.

Seit November 2019 gilt der neue Tarifvertrag für die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie in Rheinland-Pfalz. Viele Gespräche und Verhandlungen hat es gebraucht, um dieses Ergebnis zu erreichen. Trotz der Herausforderungen, die dieser Kompromiss für die Arbeitgeber darstellt, wurden wichtige Ziele erreicht: Zwar gibt es die Pflicht zu betrieblichen Verhandlungen, jedoch wurde ein direkter Anspruch auf mehr Freizeit, wie in der Metall- und Elektroindustrie, abgewendet. Zudem haben sich die Tarifpartner verpflichtet, die bisherigen Regelungen zu Altersfreizeiten zu überprüfen, da diese zu personellen Engpässen in den Betrieben führen.

Informationsveranstaltung Chemie Tarif 2019
Rund 200 Teilnehmer aus den Personalabteilungen der Mitgliedsunternehmen begrüßte der Arbeitgeberverband Chemie am 27. Januar. An diesem Tag ging es um die Inhalte des jüngsten Tarifvertrages und wie er in der Praxis ausgestaltet werden kann.

„Gut für die Betriebe ist die
langfristige Planungssicherheit durch die Laufzeit von 29 Monaten sowie
moderate Entgelterhöhungen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse rund um Corona sind diese erreichten Ziele noch wichtiger,
als sie bereits zum Zeitpunkt des
Abschlusses waren.“

Bernd Vogler,
Hauptgeschäftsführer

Neue Elemente gibt es mit dem jüngsten Tarifvertrag „Moderne Arbeitswelt“. Ein Bestandteil davon ist eine Vereinbarung, die mobiles Arbeiten erleichtert und mehr Flexibilität bei der Nutzung moderner Arbeitsformen verschafft. Hier gilt, dass über die Eignung der Tätigkeit für mobiles Arbeiten der Arbeitgeber entscheidet, da betriebliche Notwendigkeiten, etwa in einem Produktionsbetrieb, beachtet werden müssen. Bedeutsam für die Praxis ist diese Regelung gerade auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Tarifpolitisches Neuland haben Arbeitgeber und Gewerkschaft mit der Pflegezusatzversicherung betreten. Damit ging es den Chemiesozialpartnern darum, eine Antwort auf den demografischen Wandel und den wachsenden Bedarf in der Pflege zu geben. Die Neuregelung gilt ab Juli 2021. Die heterogenen Rückmeldungen aus den Betrieben zeigen, dass es sowohl bei den Tarifen als auch für die Umsetzung in der betrieblichen Praxis noch offene Fragen gibt.

Pflegeversicherung, Zukunftsbetrag, „Moderne Arbeitswelt“ – der neue Tarifvertrag ist ein in einem schwierigen Umfeld geschlossener Kompromiss. Er erscheint vielen Unternehmen komplex und vielschichtig – und ist es sicherlich auch, nicht nur mit Blick auf den Aufwand für die Verhandlungen zur Nutzung des Zukunftsbetrages. In einer ersten Informationsveranstaltung Ende Januar 2020 machte der Arbeitgeberverband deutlich, dass der Abschluss einen Rahmen mit Spielräumen bietet, innerhalb dessen sich die Betriebe flexibel bewegen können. Um die Gestaltungsmöglichkeiten optimal zu nutzen, unterstützen die Juristen des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz die Personalabteilungen und Entscheider in den Mitgliedsunternehmen.

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Verlässlicher Partner in der Krise

Die Corona-Pandemie und Ihre Folgen wirkten wie ein Fallbeil in den Unternehmen. Ging es vorher noch um die Umsetzung des neuen Tarifvertrages oder gesetzlicher Vorgaben, war binnen weniger Tage alles anders. Von Arbeitszeitanpassungen über Pandemieplan bis hin zur Liquiditätssicherung standen die Unternehmen vor verschiedenen Herausforderungen. Individuelle Beratung und Unterstützung gab es durch die Chemieverbände Rheinland-Pfalz.

Komplexe Lage in den Mitgliedsunternehmen

Wurden anfangs wichtige Leitmessen abgesagt, so entwickelte sich die Lage im Laufe der kommenden Wochen sehr komplex und facettenreich. Denn betroffen von der Krise waren die Unternehmen sehr unterschiedlich. Einige verzeichneten einen spürbaren Anstieg in den Auftragsbüchern. So zum Beispiel die Hersteller von Desinfektionsmitteln und transparenten Kunststoff-Platten. Auf der anderen Seite spürten die Automobilzulieferer die negativen Auswirkungen besonders stark.

Dazwischen gab es die gesamte Bandbreite, die überwiegend jedoch starke Geschäftsrückgänge bedeutete: Einigen Betrieben fehlten die Vorprodukte, anderen die Kunden und Absatzmärkte. Es gab Fälle, bei denen Betriebe nicht produzieren konnten, weil die Arbeitnehmer fehlten. Aus Sorge vor einer Ansteckung hatten sich diese krank gemeldet und blieben zu Hause. Im kaufmännischen Bereich wurden viele Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Die klassischen Besprechungen im Meeting-Raum wurden nun als Videokonferenz abgehalten.

Als Folge der Krise wurden Produktionslinien abgestellt, mitunter stand auch ein ganzer Standort still. Aus einer internen Schnellumfrage im März ging hervor, dass bei rund der Hälfte aller Betriebe Beschäftigte im April in Kurzarbeit gehen. Da keiner die weitere Entwicklung richtig einschätzen konnte, gab es verschiedene Szenarien für die Kurzarbeit auch im Mai und darüber hinaus.

Die Chemieverbände als verlässlicher Partner

In dieser heterogenen Lage ergaben sich aus den Mitgliedsunternehmen viele Fragestellungen, bei denen die Chemieverbände als verlässlicher Partner und Begleiter gefragt waren. Das 17 Köpfe zählende Team rund um den Hauptgeschäftsführer Bernd Vogler ist eine Bürogemeinschaft aus dem Arbeitgeberverband Chemie und dem VCI-Landesverband in Rheinland-Pfalz.

Gemeinsam unterstützten sie die Mitgliedsunternehmen mit Fachwissen und Informationen rund um arbeits- und umweltrechtliche sowie wirtschaftliche Fragen. In den regelmäßig erscheinenden Newslettern und Infomails gab es wichtige Informationen und Hilfestellungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen Auswirkungen. Hierbei wurden aus einer Vielzahl an verfügbaren Informationen die wichtigsten gefiltert und aufbereitet. Da viele Ansprechpartner in den Unternehmen auch an den Wochenenden arbeiteten und der Beratungsbedarf sehr hoch war, hatten die Chemieverbände die Beratungszeiten angepasst. So konnte auf die verschiedenen Anfragen schnell reagiert werden.

Die Themen und Hilfestellungen

Die Juristen des Arbeitgeberverbandes berieten individuell bei der Einführung von Kurzarbeit und in vielen arbeitsrechtlichen Fragen
rund um die Corona-Pandemie. Themen waren unter anderem die Ausgestaltung des mobilen Arbeitens oder die Regelung der Entgeltfortzahlung, wenn Arbeitnehmer nicht arbeiten konnten, weil die Kinderbetreuung sichergestellt werden musste. Viele
Betriebs- und Einzelvereinbarungen wurden geschrieben und abgestimmt sowie der der Umgang mit Arbeitszeitkonten geklärt.

Die verordneten Kontaktbeschränkungen zur Abflachung der Corona-Infektionskurve trafen auch die Seminare des Arbeitgeberverbandes für die Mitgliedsunternehmen. Einerseits mussten Veranstaltungen abgesagt und verschoben werden. Zusätzlich wurden jedoch Seminare neu konzipiert und als Webinare angeboten.

Die Hilfe aus dem VCI betraf wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen wie Liquiditätshilfen, Regelungen zu Import/Export sowie Ausnahmeregelungen im Umweltbereich. Besonders wichtige Themen für die Unternehmen waren die Sicherheit der Lieferkette, die Frage nach der Systemrelevanz von Unternehmen sowie Erleichterung von Fristenverlängerungen bei Anlagengenehmigungen. So konnten in Rheinland-Pfalz nach Gesprächen mit den Strukturgenehmigungsdirektionen (SGD) die Prüffristen für Anlagensicherheit um sechs Monate verlängert werden. Zudem gab es wertvolle Informationen und Hilfe durch regelmäßige Webinare zum Umgang mit der Pandemie.

Um das Vertrauen der Beschäftigten in der Krise zu erhalten, war die interne Kommunikation in den Betrieben stark gefordert. Die Chemieverbände unterstützten durch Mustertexte sowie ein zusätzliches „Pandemie-Kapitel“ im umfangreichen Handbuch zur Krisenkommunikation. Darin enthalten sind Checklisten und Pressemitteilungen.

Auch politisch war es für die Chemieverbände eine herausfordernde Zeit. Stets bestand guter Kontakt zur Landesregierung, der Gewerkschaft und auch zu anderen Verbänden. Dies war wichtig, um sich bei der Festlegung von Rahmenbedingungen schnell austauschen zu können. Denn eine besondere Herausforderung war die Dynamik der Entwicklungen: Im Eiltempo wurden Gesetze beschlossen, Vorschriften geändert und Handlungsspielräume für Unternehmen geschaffen. Das war gut, führte allerdings auch dazu, dass Stellungnahmen zu politischen Vorhaben innerhalb kurzer Fristen erfolgen mussten.

„Unsere Aufgabe ist es,
schnell zu reagieren und
tragfähige Lösungen für
die Praxis der Mitglieder
zu schaffen.“

Bernd Vogler,
Hauptgeschäftsführer

Um das Vertrauen der Beschäftigten auch in der Krise zu erhalten, war die interne Kommunikation in den Betrieben ebenfalls stark gefordert. Die Kommunikationsabteilung der Chemieverbände unterstützte durch Musteraushänge, einer Taschenkarte „Corona“ sowie durch ein zusätzliches „Pandemie-Kapitel“ im umfangreichen Handbuch zur Krisenkommunikation. Darin enthalten waren Checklisten und Pressemitteilungen.

Auch politisch war es für die Chemieverbände eine herausfordernde Zeit. Stets bestand guter Kontakt zur Landesregierung, der Gewerkschaft und auch zu anderen Verbänden. Dies war wichtig, um sich bei der Festlegung von Rahmenbedingungen schnell austauschen zu können. Denn eine besondere Herausforderung war die Dynamik der Entwicklungen: Im Eiltempo wurden Gesetze beschlossen, Vorschriften geändert und Handlungsspielräume für  Unternehmen geschaffen. Das war gut, führte allerdings auch dazu, dass Stellungnahmen zu politischen Vorhaben innerhalb einer sehr kurzen Frist von einem Tag formuliert werden mussten.

 

Lesson learned

Die zurückliegende Zeit hat gezeigt, dass Unternehmen, Verbände, Sozialpartner und Politik schnell reagieren können, wenn es darauf ankommt. Das hat viel Kraft gekostet. Und die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden sicher noch länger zu spüren sein. Zukünftig wird es darauf ankommen, was unser Land aus dieser neuen Art der Bedrohung für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben gelernt hat. Solidarität in der Gemeinschaft. Veränderung als Chance nutzen. Flexibilität beim Lösen von Problemen. Das sind nur drei Stichworte, die uns auch bei der Bewältigung des anstehenden Strukturwandels helfen können. Und es braucht auch weiterhin verlässliche Partner wie die Chemieverbände, die schnell und zielführend die Betriebe unterstützen.

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Konjunktur

Hatte die chemisch-pharmazeutische Industrie bereits 2019 mit heftigem Gegenwind zu kämpfen, so wurde das bisherige Jahr 2020 zu einer Herausforderung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgten in den meisten Betrieben für Geschäftsrückgänge und Kurzarbeit.

Umsätze Industrie 2019

Verbandsstruktur

2019: Geschäftsrückgang und Sparmaßnahmen

Die Branche verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 spürbare Rückgänge bei Umsatz, Produktion und Aufträgen. So gingen die Umsätze der Chemie-Industrie gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro zurück. Die Produktion gab um 4,1 Prozent nach und in den Büchern standen 3,3 Prozent weniger Aufträge. Damit lag sie bei den wichtigen Kennzahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung deutlich unter dem Vorjahr. Einzig die Zahl der Beschäftigten ist im Jahresverlauf gestiegen.

Grund waren die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt und den Bedingungen des Brexits sowie die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Dies sorgte für ein schwaches globales Wachstum. Das globale Chemie-Geschäft blieb hinter den Erwartungen zurück und die Betriebe mussten deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen. Aber auch das Inlandsgeschäft hatte spürbar nachgelassen. Dies hängt im Wesentlichen mit strukturellen Veränderungen in der deutschen Wirtschaft zusammen. Insbesondere die beschleunigten Veränderungen in der Automobilindustrie wirkten sich auf die Zuliefer-Betriebe aus. Viele Unternehmen reagierten darauf mit Sparprogrammen.

Die Hersteller von Kunststoff- und Gummiwaren mussten ebenfalls Rückgänge hinnehmen. Die Unternehmen dieser Branche erwirtschafteten rund 5 Milliarden Euro und damit 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

In der Pharma-Industrie nivellierten sich die Wirtschaftszahlen weiterhin nach Ende eines Sondereffektes. Die Umsätze der Branche gingen um rund 5,4 Milliarden Euro (-61 Prozent) zurück. Auch Produktion und Aufträge gaben um 67,2 Prozent bzw. 46,6 Prozent nach.

Klassische Ausbildung nimmt zu

1.376 Plätze für Ausbildung und Berufseinstieg – 65 Plätze weniger als im Vorjahr – haben die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz im Jahr 2019 angeboten. Davon entfielen 1.094 (+32) auf die duale Ausbildung, 117 (+4) auf das duale Studium und 165 (-101) auf Fördermaßnahmen. Erfreulich ist, dass mehr Jugendliche den Weg direkt in die Ausbildung gefunden haben, statt in Fördermaßnahmen für den Berufseinstieg aufgefangen zu werden.

Die Ausbildungsquote in den Mitgliedsunternehmen betrug knapp 6 Prozent, die Besetzungsquote 97 Prozent. Zudem wurden 71 Prozent der Azubis unbefristet übernommen.

2020: Krisenmodus mit Kurzarbeit

Für das laufende Jahr hatte kein Betrieb mit einer Verbesserung der Situation gerechnet. Die Unternehmen waren aufgrund der Erfahrungen im Vorjahr von einem weiteren Rückgang der Aufträge und Umsätze ausgegangen. Dies zeigen auch die Konjunkturzahlen des statistischen Landesamtes in Bad Ems für die Monate Januar bis März. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ging der Umsatz in der Chemie um 5,7 Prozent zurück. Die Produktion lag mit 0,3 Prozentpunkten fast gleichauf mit dem Vorjahr. Die Pharma-Industrie verbuchte 3,9 Prozent weniger Umsatz bei einem Produktionsrückgang von 14,6 Prozent. Die Gummiwarenhersteller und Kunststoffverarbeiter
mussten ein Umsatzminus von 4,7 Prozent sowie ein Produktionsminus von 5,6 Prozent hinnehmen.

Anfang März begann die Ausbreitung des Virus in Deutschland mit zunächst 130 Infizierten. Anfang April war die Zahl der Erkrankten bereits auf über 100.000 angestiegen. Vor diesem Hintergrund wurden in Deutschland und anderen betroffenen Staaten drastische Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Sie reichten von Schulschließung bis hin zur Ausgangssperre.

Die Auswirkungen auf die Betriebe waren unterschiedlich. So waren unter anderem die Hersteller von Reinigungsmitteln und Desinfektionsmitteln stark gefordert. Die Automobilzulieferer wiederum spürten die Auswirkungen des Einbruchs bei den Autoherstellern sehr drastisch. Aber auch die Schließungen der gastronomischen Betriebe wirkte sich negativ auf die Betriebe aus. Die Unternehmen meldeten im ersten Quartal deutliche Geschäftsrückgänge und stillstehende Produktionslinien. In der Summe dieser heterogenen Entwicklung der Betriebe ergab sich ein Abwärtstrend in allen wichtigen Kennzahlen für die Branche. Um die Arbeitsplätze zu sichern und die Krise gemeinsam zu überstehen, wurden tarifliche Öffnungsklauseln ebenso genutzt wie Kurzarbeit.

Wie stark dieser Abwärtstrend bis zum Jahresende ausfallen wird, ist ungewiss. Eine seriöse Prognose ist derzeit nicht möglich, da sowohl die Dauer der Corona-Pandemie als auch die damit zusammenhängenden Maßnahmen zu deren Eindämmung nicht valide abschätzbar sind. Die Chemieverbände erwarten einen weiteren starken Rückgang im zweiten Quartal und eine Entwicklung in den Kennzahlen Umsatz und Produktion, die insgesamt unter den Vorjahreswerten liegen wird.

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Im politischen Gespräch: Dominique Bäumer (VCI RLP), Manfred Schwarz (CDU), Christine Schneider (MdEP), Bernd Vogler (Chemieverbände) (v.l.n.r.)

Rein in die Betriebe

In der politischen Arbeit der Chemieverbände mit Abgeordneten aus Landtag, Bundestag und Europäischen Parlament geht es um die Vermittlung verlässlicher Informationen mit Praxisbezug. Daher finden diese Treffen in Mitgliedsunternehmen statt.

Neben der Darlegung belastbarer Branchen-Zahlen sind gemeinsame Treffen mit politischen Entscheidern in den Mitgliedsunternehmen ein fester Bestandteil. Im Mittelpunkt der regelmäßigen Dialoge stehen die Themen Standortpolitik, Infrastrukturpolitik und Wettbewerbsfähigkeit, die Innovationsförderung sowie industriepolitischen Aspekte der Energiepolitik.

Um das Thema Energie ging es bei TMD Friction im Westerwald. Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in der Region und produziert dort seit fast 60 Jahren Bremsbeläge für Nutzfahrzeuge. In den letzten Jahren wurden mehrere Millionen Euro in den Standort investiert: So wurde das Potenzial der Energieeffizienz mit zahlreichen Maßnahmen ausgeschöpft und der Energieverbrauch um rund 20% reduziert. Dennoch steigen die Ausgaben für Strom. Ursache sind die Netz-Kosten und die EEG-Umlage. Diese machen mittlerweile 75% der Energiekosten des Unternehmens aus. Schon heute zahlen Gewerbe und Industrie in Deutschland die höchsten Strompreise in der EU.

Politik-Gespräche bei Zschimmer und Schwarz in Lahnstein
Wolfgang Nowak, Geschäftsführer Zschimmer und Schwarz führt Bundestagsabgeordneten Josef Oster, rechts im Bild, durch das Werk.

Planungssicherheit und gute Standortbedingungen standen im Fokus eines Treffens bei Zschimmer & Schwarz in Lahnstein. Das Familienunternehmen ist in der Region tief verwurzelt und feierte im September 2019 sein 125-jähriges Bestehen. Der Spezialchemiehersteller liefert unter anderem Hilfsmittel für Reinigungsmittel oder die keramische Industrie. In den vergangenen Jahren hat der Chemiebetrieb den Standort mit Millioneninvestitionen gestärkt. Solche Investitionen finden nur statt, wenn es verlässliche Rahmenbedingungen für die Betriebe gibt.

Ein Thema war daher nachteilige regulatorische Rahmenbedingungen, die zum Teil langwierig, komplex und teuer sind. Besonders die CO2-Steuer wurde diskutiert: Da energieintensive Anlagen mit dem EU-Emissionshandel bereits einer CO2-Bepreisung unterliegen, ist eine Minderung der Emissionen für Industrie und Energieerzeugung bereits garantiert und eine nationale Zusatzsteuer auf CO2 nicht sinnvoll.

Zum Branchengespräch hatte Wirtschaftsminister Volker Wissing die Unternehmenslenker aus der Chemie nach Mainz eingeladen. Hier betonte Vorstandsvorsitzender Christian Metzger, dass er sich weniger Bürokratie und mehr Mut zu schnellen Entscheidungen von der Politik wünsche. „In der heutigen Welt agieren Unternehmen schnell und fl exibel auf die Anforderungen des Marktes. Zeit, die in den Mühlen der Bürokratie verschwendet wird, hindert uns daran, ein wettbewerbsfähiger Standort in Deutschland zu sein“, so der Werkleiter vom Reifenhersteller Michelin in Bad Kreuznach.

weitere Beiträge:

Interessenvertretung in der Corona-Zeit besonders intensiv

Der Austausch mit Politik und Behörden fand während der Corona-Pandemie intensiver statt als sonst. Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz nahmen an Anhörungen teil, begleiteten die Bundesverbände BAVC und VCI sowie die LVU in deren Politikarbeit und waren im steten Austausch mit der Landesregierung. Zudem gab es enge Kontakte zu den Strukturgenehmigungsdirektionen (SGD).

Verfahrensbegleitende Öffentlichkeitsarbeit

Im November bestimmte ein komplexes Thema den PR-Treff: die verfahrensbegleitende Öffentlichkeitsarbeit – also die kommunikative Begleitung von Projekten wie Änderungen an Anlagen, Erschließung neuer Flächen usw. Die Kommunikatoren aus den Mitgliedsunternehmen diskutierten den Umgang mit einem fragmentierten und kritischer werdenden gesellschaftlichen Umfeld. Es gleicht „einer Kommunikationsarena, die nicht den Regeln der Gesetzestexten folgt“, wie Ulrich Zehfuß das Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit(en) und rechtlichen wie technischen Rahmenbedingungen beschrieb. Zehfuß war einer der beiden Referenten; der Geschäftsführer von carta ist Experte für Krisenkommunikation.

Begleitet wurde er von Rechtsanwalt und Experte für Verfahrensrecht, Ralf Neumann. Entlang des idealtypischen Ablaufs eines Verfahrens diskutierten die Experten alle relevanten Anforderungen und Maßnahmen des Stakeholder Managements. Praxiserfahrungen im Umgang mit Behörden, Medien oder Organisationen wie Bürgerinitiativen sowie ein Planspiel über ein realistisches, kontroverses Bauprojekt vervollständigten die Agenda. Der PR-Treff war ein informativer und praxisstarker Austausch, der auch durch die Beiträge der Nicht-Kommunikatoren unter den Teilnehmern stark wurde: eingeladen waren auch Vertreter aus den Umweltschutz-Fachgremien sowie Interessierte aus dem Kreis der Geschäftsführer.

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Erleiden wir bald einen Verkehrsinfarkt?

Dominique Bäumer kommentiert den schlechten Zustand der Brücken in Rheinland-Pfalz

Ein Kommentar von Dominique Bäumer,
VCI-Geschäftsführer in Rheinland-Pfalz

Wer die Medien vor der Corona-Krise aufmerksam verfolgt hat, musste zu dem Ergebnis kommen, dass wir kurz vor einem Infarkt stehen: Straßen und Brücken bröckeln oder sind komplett gesperrt. In Mainz ein paar Wochen, in Ludwigshafen mehrere Jahre. Dies ist nicht nur eine Belastung für die Menschen im Land, die zur Arbeit pendeln. Das kann sich zu einem großen Problem für die Wirtschaft im Land entwickeln. Denn die Problemzonen befinden sich entlang des Rheins – zwischen Germersheim und Koblenz – da, wo die wichtigen Chemie-Standorte sind.

„Wir haben Nachholbedarf“ betonte Minister Volker Wissing im Interview mit dem Arbeitgeber-Magazin „Wir. Hier.“ bereits 2017. Und er hat Recht. Leider hat es die Politik in den letzten Jahrzehnten versäumt, in die Sanierung zu investieren. Die meisten Brücken wurden in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut. Bereits 2011 beanstandete der Landesrechnungshof marode Brücken. Daran hatte sich auch 2015 nichts geändert, als die Landesregierung einräumte, dass 10 von 15 Brücken in einem schlechten Zustand sind. Und schlecht bedeutet, dass nach der DIN-Norm die Stand- oder Verkehrssicherheit beeinträchtigt ist. Viele erinnern  sich noch an das Chaos, als sich 2015 die Schiersteiner Brücke bedrohlich abgesenkt hat. Und 2020? Betonbrocken der Hochstraße in Ludwigshafen drohen auf den Boden zu stürzen.

Das tut weh. Denn die Straßen und Brücken werden besonders dann wichtig, wenn der Rhein nicht mehr befahrbar ist. Kritisch wird es, wenn der Pegel in Ludwigshafen deutlich unter 200 cm fällt. Dann müssen die Waren von den Binnenschiffen auf LKWs verladen werden. Ein Binnenschiff = 100 Lkws, so eine Faustformel. Wenn dann Brücken und Straßen bröckeln, kann es schnell zum Infarkt kommen. Einen Vorgeschmack darauf gab es beim Rekord-Niedrig-Wasser 2018. Um das zu vermeiden, setzen sich die Chemieverbände intensiv dafür ein, dass Brücken saniert und die geplante Rheinvertiefung zügig umgesetzt werden.

Dass es zusätzliche Mittel vom Bund für die Sanierung gibt, darf gerne langfristig so bleiben. Wenn es dann noch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren gäbe, wäre viel für unseren Wohlstand getan. Auch hier ein Beispiel: Seit über 20 Jahren beantragt die Chemische Fabrik Budenheim eine zweite Brücke für den gleichnamigen Standort. Sie soll einen kleinen Bachlauf überqueren und so eine zweite Zufahrt ermöglichen. Die Brücke würde die Anwohner entlasten und den Standort attraktiver machen. Doch endlose Bürokratie sowie der Streit um die Finanzierung bremsen das Vorhaben aus. Meine Appell an die Politik: „Rheinland-Pfalz braucht eine belastbare Infrastruktur – schnell!“.

 

Interview mit Karsten Tacke

Die Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) ist Dachverband von 30 rheinland-pfälzischen Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden, darunter auch die Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Die LVU deckt mit ihren Mitgliedern fast die gesamte industrielle Wertschöpfung ab, aber auch Dienstleistungsbranchen oder das Handwerk.

Karsten Tacke - LVU Hauptgeschäftsführer

Karsten Tacke ist seit April 2019 Hauptgeschäftsführer der LVU. Der Jurist blickt auf eine langjährige Verbandserfahrung zurück: Seit 2002 war er als Geschäftsführer und seit 2012 als stellvertretender Hauptgeschäftsführer zuständig für die Koordinierung der Tarif- und Sozialpolitik bei Gesamtmetall.

Was sind die Aufgaben der LVU?
An erster Stelle steht die Interessenvertretung gegenüber der Landesregierung, dem Landtag und den Parteien. So nehmen wir Stellung zu Gesetzgebungsvorhaben, geben der Wirtschaft in Anhörungen und Ausschusssitzungen des Landtags eine Stimme. Dazu unterhalten wir ein enges Netzwerk in die Landesregierung, die Fraktionen, Ministerien und Parteien.

Viele für die Unternehmen wichtige Gesetze kommen aber aus Berlin und
Brüssel…
… Richtig! Und daher nehmen wir zu Gesetzesvorhaben im Bund und in der EU genauso Stellung wie wir es auf Landesebene tun. Allerdings sind wir dort nicht direkt tätig, sondern bringen die Positionen unserer Mitglieder über unsere Dachverbände BDA und BDI ein. Im Land gibt es diese Zweiteilung übrigens nicht. In Mainz vertreten wir sowohl die wirtschaftspolitischen als auch sozialpolitischen Interessen der Unternehmen. Die Einflussnahme auf Gesetzesvorhaben ist aber gar nicht mal der größte Teil unserer Arbeit.

Sondern?
Einen großen Raum nimmt die Gremienarbeit ein. Überall da, wo in der sozialen Selbstverwaltung, in den Medien, in Beiräten und Ausschüssen Wirtschaftsvertreter Sitz und Stimme haben, sind wir aktiv. Beispiele für solche Gremien sind die AOK und die Rentenversicherung, der SWR-Rundfunkrat, der Klimabeirat der Landesregierung oder der Transformationsrat der Ministerpräsidentin.

Da geht es um die Autoindustrie?
Ja, aber nicht nur! Im Transformationsrat wird über Branchen hinweg und gemeinsam mit Gewerkschaften und Landesregierung überlegt, wie wir die Dekarbonisierung, die Digitalisierung und den demografischen Wandel meistern können. Auch die Anforderungen der Politik an eine zirkuläre Wirtschaft spielen dabei eine wichtige Rolle.

Welche Rollen spielen die LVU-Mitglieder wie die Chemieverbände?
Eine ganz große Rolle! Zum einen finanzieren sie unsere Arbeit. Viel wichtiger ist aber der fachliche Beitrag, den sie leisten. Alle unsere Positionen und Standpunkte entwickeln wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsverbänden. Wäre es anders, könnten wir nicht in ihrem Namen sprechen.

Ist es schwierig, immer einen gemeinsamen Nenner zu finden?
Das ist ganz unterschiedlich! In manchen Bereichen ist das sehr einfach. Jedes Unternehmen braucht beispielsweise eine leistungsfähige und gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur. In anderen Feldern kann das schon kniffliger werden. Beispiel Energiepolitik. Da gibt es sehr unterschiedliche Interessen: die Produzenten von Energie, die kleinen, mittleren und großen Verbraucher in der Industrie und dann noch jene, die ganz unmittelbar mit der Energiewende ihr Geld verdienen.

Klingt nach der Quadratur des Kreises…
… auch das können wir! Aber im Ernst: Genau daran zeigt sich die Funktion und auch die Leistung von Dachverbänden, dass sie diesen Ausgleich immer wieder hinbekommen.

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Chemie im Strukturwandel

Vor und nach der alles bestimmenden Corona-Pandemie bleibt eine große Aufgabe für Politik und Wirtschaft: Den Strukturwandel und dessen Auswirkungen meistern. Die drittgrößte Branche in Deutschland kann diesen steilen Weg bewältigen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzungen sind nicht neu und haben uns in Deutschland immer wieder beschäftigt. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der wir derzeit den Wandel erleben. Und die komplexen Rahmenbedingungen, innerhalb derer er stattfindet. So steht die chemisch-pharmazeutische Industrie, zu der die Chemieverbände Rheinland-Pfalz auch die Kunststoff- und Gummiwarenverarbeiter zählen, vor elementaren Herausforderungen. Wesentliche Trends und Treiber sind der technologische Wandel durch Digitalisierung und das veränderte Bewusstsein der Gesellschaft für Klimawandel und Kreislaufwirtschaft sowie der Protektionismus im Welthandel. Massive Investitionen sind nötig – in einem Umfeld, das durch Standortwettbewerb und Handelsschranken immer schwieriger wird.

Chemie mit starken Umbrüchen

Die energieintensiven Branchen, wie die Chemie, erfahren starke Umbrüche. Grund sind die Verschiebungen bei der Rohstoffbasis Verzicht auf Öl und fossiles Gas und die Anforderung, möglichst treibhausgasneutral zu produzieren. Dafür müssen die Unternehmen neue Rohstoffe und Technologien einsetzen. Auch die Umstellung vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben wird erhebliche Auswirkungen haben: Zukünftig werden mehr Vorleistungen aus der Elektroindustrie und im Bereich Kunststoffe benötigt und weniger aus der Metallverarbeitung. Dies betrifft zum Beispiel Material zum Bau von Akkumulatoren und innovative Lösungen beim „Leichtbau“. Um erfolgreich in diesem Markt zu agieren, reicht es nicht, wenn die Unternehmen ihre Produkte weiterentwickeln und die Dienstleistungen ausbauen. Es wird zukünftig auch darauf ankommen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zum Beispiel, indem sie mit Partnern nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodelle entwickeln.

Klimaziele sind technologisch erreichbar

Für das Jahr 2050 hat die Bundesregierung das Ziel der Treibhausgasneutralität ausgerufen. Der Weg dahin ist steil und schwierig. Doch eine vom VCI beauftragte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Chemie das Ziel erreichen kann. Dazu müssen die Unternehmen alternative Prozesse entwickeln und durch den Aufbau neuer Anlagen realisieren. Dies entspricht einem Investitionsbedarf von rund 50 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050.

Zudem wird sich der Strombedarf deutlich erhöhen: Bei dem vorgegebenen Ziel der Treibhausgasneutralität steigt er auf 628 TWh ab 2030. Das wäre die gesamte heutige Stromproduktion in Deutschland. Ein mittleres Szenario geht davon aus, dass ab 2040 der Chemie 224 TWh erneuerbarer Energie zur Verfügung stehen. In dem Fall könnten die Treibhausgase um rund 60 Prozent gesenkt werden.

In beiden Szenarien ist die Voraussetzung dafür, dass die Betriebe alternative Technologien entwickeln und einführen, deren Wirtschaftlichkeit. Dazu zählt die Verfügbarkeit erneuerbaren Stroms zu Kosten von 4 Cent je Kilowattstunde. Wird der Strom teurer, verzögert dies die Einführung neuer Verfahren über das Jahr 2050 hinaus. Insgesamt können die Unternehmen die herausfordernde Transformation nur leisten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben und optimale politische Rahmenbedingungen vorfinden. Andernfalls
kann auf dem Weg zum Ziel die Luft ausgehen.

Politik muss unterstützen

Die Politik hat sehr ambitionierte Ziele gesetzt. Und sie hat es in der Hand, die chemische Industrie auf dem Weg dahin erfolgreich zu begleiten. Derzeit ist nicht absehbar, wie der Strukturwandel nach der Corona-Krise stattfinden wird. Fest steht, dass uns die Pandemie auf dem steilen Weg zurückgeworfen hat. Um die gesetzten Ziele dennoch zu erreichen, ist es notwendiger denn je, unnötigen Ballast abzuwerfen.

Dazu bedarf es deutlich mehr Maßnahmen als die bestehenden Entlastungs- und Carbon-Leakage-Regeln. Die Unternehmen benötigen Kostenentlastungen, Bürokratieabbau und einheitliche globale Klimaschutzvereinbarungen. Zudem muss es eine staatliche Förderung für Innovationen und neue Anlagen geben, da die alternativen Verfahren erst nach 2030 und 2040 unter bestimmten Annahmen wirtschaftlich und damit wettbewerbsfähig sind. Ebenfalls entscheidend ist, dass der Strom in den benötigten Mengen und zu den benötigten Preisen am Markt verfügbar sein muss.

„Technologisch kann die
Branche den Strukturwandel
stemmen. Dazu braucht es
Förderung und bessere
Rahmenbedingungen durch
die Politik.“

Bernd Vogler,
Hauptgeschäftsführer

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Berufestruktur in der Chemie

Die Chemie-Berufe-Welt besteht nicht nur aus naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufen. Sie ist bunt und vielfältig. Oder wussten Sie, dass jeder achte Auszubildende in der Chemie in Rheinland-Pfalz einen Elektroniker-Beruf erlernt?

Warum eine Ausbildung in der Chemie starten? Ganz einfach, weil die chemisch-pharmazeutische Industrie über fünfzig verschiedene Ausbildungsberufe sowie zahlreiche duale Studiengänge bietet. Da müsste also für Jeden das Passende dabei sein. Ist es auch, denn egal ob Chemikant, Industriemechaniker, Biologielaborantin oder Industriekauffrau, die Chemie bildet in spannenden Berufen aus.

Im Herbst letzten Jahres (2019) fragten wir bei unseren Unternehmen nach, welche Berufe sie in welcher Anzahl ausbilden. Nicht erstaunlich ist, dass der Chemikant nach wie vor der meist ausgebildete Beruf in der chemischen Industrie ist, nicht nur in Rheinland-Pfalz, auch bundesweit. Chemie braucht Chemie-nahe Berufe. Doch schon auf Platz zwei folgt mit dem Elektroniker für Automatisierungs- bzw. Betriebstechnik ein gewerblich-technischer Beruf. Mit den Industriekaufleuten landet der erste kaufmännische Beruf auf Platz sechs der Liste der meist ausgebildeten Berufe.

Liste der zehn meist ausgebildeten Berufe in Rheinland-Pfalz

  1. Chemikanten
  2. Elektroniker für Automatisierungs- bzw. Betriebstechnik
  3. Chemielaboranten
  4. Anlagenmechaniker
  5. Industriemechaniker
  6. Industriekaufleute
  7. Mechatroniker
  8. Verfahrensmechaniker
  9. Kaufleute für Büromanagement
  10. Pharmakanten

Alleine die Aufzählung zeigt, dass in der Chemie die gewerblich-technischen Berufe den größten Anteil bilden. Gegenüber der letzten Erhebung vor vier Jahren ist dieser um rund zwölf Prozent gestiegen. Ganz anders sieht die Situation bei den kaufmännischen Berufen aus. Hier ist der Anteil um fast ein Viertel zurück gegangen.

Berufestruktur 2019

Berufe und Ausbildung in der Chemie

Digitalisierung in der Ausbildung

Berufe und Ausbildung in der Chemie

Zusätzlich zur klassischen Ausbildung befinden sich 297 junge Menschen in einem dualen Studium. Bei den dualen Studiengängen dominieren Studiengänge mit Schwerpunkt Wirtschaft, die 40 Prozent ausmachen. Abgerundet wird das Ausbildungsportfolio der chemischen Industrie noch durch Angebote zur Berufsvorbereitung und Einstiegsqualifizierung. Momentan belegen über einhundert Teilnehmer eine solche Maßnahme zur Vorbereitung zur Aufnahme einer Ausbildung.

In den über fünfzig verschiedenen Berufen, die in der chemischen Industrie in Rheinland-Pfalz ausgebildet werden, gehören auch solche, die nicht auf den ersten Blick mit unserer Branche in Verbindung gebracht werden. In den IT- und Medienberufen sind es fast 50, zum Beispiel der Fachinformatiker oder der Mediengestalter. Die gastronomischen Berufe wie Köche oder Hotelfachleute
bilden sogar noch einen größeren Anteil. Außerdem befinden sich fünf Tierpfleger, ein Gärtner, sechs Berufskraftfahrer, eine Fachkraft für Abwassertechnik und eine Textil- und Modenäherin in der Ausbildung bei unseren Mitgliedsunternehmen.

Ungeachtet der Vielfalt der Ausbildungsberufe und den guten Beschäftigungschancen nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss, wird es immer aufwändiger und schwieriger, offene Ausbildungsstellen zu besetzen. Insbesondere bei den viel ausgebildeten Berufen wie den Chemikanten, den Elektroniker- oder den Mechaniker-Berufen wird dies deutlich. Die Unternehmen investieren daher verstärkt in das Ausbildungsmarketing. Unterstützen Sie uns dabei und berichten Ihren Freunden und Bekannten über die bunte Vielfalt der Ausbildung in der chemischen Industrie in Rheinland-Pfalz.

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MINT-Tage Rheinland-Pfalz

Vielfältige Vorträge sowie 20 Workshops zu Chemie, Physik, Technik und IT bieten Ideen für den spannenden Unterricht. Das erfolgreiche Konzept der MINT-Tage begeistert jährlich 400 Teilnehmer in zwei regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen.

MINT-Bildung ist unentbehrlich in einer technisch orientierten Gesellschaft wie unserer: Sie ermöglicht Mitsprache und Mitwirkung. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Fachkräften eröffnet sie zudem aussichtsreiche Berufswege und ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland der Schlüssel zu Innovationen, Arbeitsplätzen und Wachstum. „MINT ist die Zukunft“, so brachte es Staatssekretär Christian Luft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem Nationalen MINT-Gipfel im Juni 2019 in Berlin auf den Punkt. Dennoch können sich nur 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler vorstellen, eines Tages in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf zu arbeiten. Und laut aktuellem MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft liegt die MINT-Lücke mit 263.000 fehlenden Arbeitskräften trotz konjunktureller Abkühlung weiter auf hohem Niveau.

Weil bei Schülerinnen und Schülern in jungen Jahren der Grundstein für die späteren Interessen gelegt wird, bilden die Chemieverbände Rheinland-Pfalz seit mehr als 20 Jahren Lehrer fort. Seit dem Jahr 2016 sind die zweimal jährlich stattfindenden MINT-Tage fester Bestandteil dieses Angebots. Im Frühjahr stehen Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen im Mittelpunkt, im Herbst die Lehrkräfte weiterführender Schulen.

Bilder: Ähnlich einer Messe präsentierten sich verschiedene Anbieter und Organisationen, die Unterstützung bei MINT-Themen anbieten. In Workshops, wie bei der Chemie, gab es Spaß und Wissen.

Den Pädagogen kommt in der Vermittlung naturwissenschaftlicher und technischer Inhalte eine Schlüsselrolle zu. Doch woher immer wieder neue Ideen nehmen? Dazu geben die MINT-Tage Anregungen: für alltags- und anwendungsnahen Unterricht in der Schule oder für Experimente in der Kindertagesstätte. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmerinnen Informationen über Berufswege in der Industrie und lernen Ansprechpartner für MINTAngebote und -Förderungen kennen.

Um einen noch stärkeren Impuls für eine bessere MINT-Bildung in Rheinland-Pfalz zu geben, ein breites Themenspektrum anzubieten und noch mehrLehrkräfte zu erreichen, organisieren die Chemieverbände Rheinland-Pfalz die MINT-Tage gemeinsam mit den beiden Verbänden Pfalzmetall und vem.die arbeitgeber sowie der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz.

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Erfolg: Tage der Chemie sind sehr gefragt
Den Forschergeist anregen und junge Menschen für Naturwissenschaften begeistern wollen die Tage der Chemie: Wie ein Magnet wirkt der UmweltCampus Birkenfeld, wenn er an zwei Tagen für rund 900 Schüler der 5. und 6. Klasse den Hörsaal öffnet. Die vielseitigen Experimentalvorlesungen und Workshops begeistern die Kinder. Treue Fangruppen bilden sich bei der Experimente-Show von „Engelchen und Teufelchen“. Um angewandte Chemie geht es am Campus Pirmasens. Rund 50 Schüler der zehnten Klassen beschäftigten sich an einem Labor-Tag mit konkreten Problemen und deren Lösungen. Beide Veranstaltungen führt der VCI-Landesverband in Kooperation mit den FHs durch.
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Kreativ-Impulse für Marketing und Kommunikation

Ungelesen, abgelegt und vergessen – viele Inhalte, die Unternehmen veröffentlichen, kommen nicht beim Publikum an. Wie Mitarbeiter aus Marketing und Kommunikation interessante und relevante Themen finden können, zeigten die Chemieverbände Rheinland-Pfalz auf einem Workshop bei der RENOLIT SE.

Wie bewahrt man sich Kreativität angesichts der Vielzahl an Aufgaben in Marketing und Kommunikation? Wie bricht man Routinen und macht den Blick frei für das Interessante?

Mit Neugier

Neugier für Menschen, Tätigkeiten und Innovationen: Was motiviert diese Person? Wie funktioniert der Produktionsprozess? Warum wirkt dieses Produkt? Kreativität kann die Bereitschaft sein, naive Fragen zu stellen. Fragen, die sich jemand mit weniger Einblick auch stellen würde. Aus den Antworten entwickeln sich Ideen, wie ein Thema aufbereitet werden kann. Doch nicht jede Idee eignet sich für die Umsetzung. Denn:

Die Zielgruppe bestimmt, was relevant ist

Und was das ist, zeigt ein Blick auf die bisher erfolgreichen Themen und Formate. Sind es Erfahrungsberichte, Ratgeber bei bestimmten Problemen oder Beiträge, die Orientierung bieten? In der Ansprache der Dialoggruppen lohnt es sich, diese Themen zu stärken.

Doch wie geht man vor, wenn Erfahrungswerte fehlen?

Der Thementunnel ist eine Kreativmethode, an deren Beginn ein Perspektivwechsel steht. Die erste Frage lautet: Worüber spricht das Publikum? Dann nähert man sich schrittweise dem Unternehmen: was beherrscht die Diskussion in der Industrie, der Branche – und schließlich im Unternehmen? So zeigen sich Zusammenhängen zwischen den Leistungen des Unternehmens und den Themen, die in den Dialoggruppen diskutiert werden. Daraus entstehen der relevante Inhalt und das passende Format.

Vortrag und Workshop auf Einladung eines Mitgliedsbetriebs

Beide Wege hin zu interessanten und relevanten Themen waren Teil des englischsprachigen Beitrags, den Stefanie Lenze von den Chemieverbänden für die RENOLIT SE hielt. Der Kunststoffspezialist hatte den Verband zu seinem globalen Marketing Communications Meeting eingeladen. Die Marketing- und Kommunikationsmanager sollten vom Best-Practice inspiriert
werden und eine Methode zur Themenfindung kennen lernen.

Im Best-Practice-Teil vorgestellt wurden die Erfahrungen des ChemieAzubi-Blogs, der im Zentrum des Ausbildungsmarketings des Verbands steht. Ein dezentral organisiertes Blogger-Team aus Verbandsmitarbeitern, Gastbloggern und Mitarbeitern aus 65 Betrieben veröffentlicht zwei- bis dreimal wöchentlich Ausbildungsgeschichten aus der Chemie.

Im Workshop-Teil arbeiteten die Teilnehmer mit dem Thementrichter kein fiktives Szenario durch, sondern entwickelten konkrete Themen für ihre Kommunikationsaufgaben – bereit für die Umsetzung im betrieblichen Alltag.

Gleich zwei Kreativ-Impulse gab es also für die Marketing- und Kommunikationsmanager: die Kombination einer neugierigen Grundhaltung mit Erfahrungswissen sowie die auf Zielgruppenrelevanz ausgerichtete Kreativmethode des Thementrichters.

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Die Bedeutung von Suchmaschinen bei der Ausbildungsplatzsuche: Google, wo kann ich eine Ausbildung in Rheinland-Pfalz machen?

Google ist die beliebteste Suchmaschine der Welt. Das Ziel von Alphabet Inc. ist es, jedem Nutzer die bestmögliche Antwort auf seine Suchanfrage zu liefern. Der komplexe Suchalgorithmus wird daher regelmäßig geupdated. Das würfelt oft das Ranking der Suchtreffer durcheinander – manche Webseiten gewinnen, andere Onlineangebote verlieren. Unser Anspruch ist es, den Ausbildungsblog www.chemie-azubi.de so aufzustellen, dass die Inhalte des Blogs auch nach Updates in den vorderen Treffern bei Sucheingaben erscheinen.

Dafür ist eine Auseinandersetzung mit einem tieferen Mechanismus
notwendig, nach dem Suchalgorithmus funktioniert und nach dem Google die
Qualität von Suchergebnissen beurteilt: der Suchintention.

Fünf Typen von Suchen identifizierte Google. Einer der Typen ist sehr gut
geeignet, um die Contentplanung des Blogs zielorientiert auszurichten:
„Know“ – der Suchende möchte etwas wissen. Zum Beispiel: Welche Ausbildung in der Chemie passt zu mir und wo kann ich mich bewerben?

Aber auch: Fakten rund um die Chemie, Physik und andere naturwissenschaftlichtechnische Themen. Im Blog fokussiert sich der Verband verstärkt auf die „Know“-Suchintention. Dazu werden realen Suchanfragen von Nutzern analysiert, um dazu passenden Content zu erstellen. So schaffen wir es auf eine effiziente Art und Weise, Antworten auf die tatsächlichen Fragen der Nutzer zu geben und so den Ausbildungsblog zu stärken.

Eigener Instagram-Kanal für Azubis – Workshop mit den Chemieverbänden

Im Sommer lud die THOR GmbH den Verband ein, um mit den Auszubildenden einen Workshop durchzuführen. Thema: Konzeption und Aufbau eines Instagram-Kanals, der die Ausbildung des Speyerers Produktionsstandortes zielgruppengerecht aufbereitet zeigt. Ziel des Tages: das Posten des ersten Beitrags.

Seitdem befüllen die Azubis den Instagram-Kanal @ausbildung_thor mit Eindrücken aus ihrem Ausbildungsalltag. Dabei organisieren sich die jungen Menschen selbst: die Auswahl der Themen, die Content-Erstellung und die Pflege des Kanals laufen eigenverantwortlich und werden in regelmäßigen Meetings mit der Personalabteilung abgestimmt.

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Fortbildung zum Umweltschutz-
beauftragten

Dass die Chemie-Betriebe Nachhaltigkeit und Umweltschutz können, zeigen sie nicht nur mit der Initiative Chemiehochdrei. Denn Umweltschutz ist eine zentrale Aufgabe in den Betrieben der chemischen Industrie. Die dafür zuständigen „Umweltschutzbeauftragten“ sind durch ihre Arbeit mit sehr komplexen Rechtsbereichen befasst. Daher finden regelmäßige Fortbildungen statt – durchgeführt vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Rheinland-Pfalz.

In einer kompakten eintägigen Veranstaltung informieren Experten aus Behörden, Kanzleien, Unternehmen und Verbänden informativ und praxisnah über gesetzliche Anforderungen sowie über Entwicklungen und deren Auswirkungen. Neben der Information geht es auch um Handlungssicherheit, Planbarkeit von Vorhaben sowie den persönlichen Austausch, wie in den Betrieben Lösungen für vielfältige Herausforderungen gefunden werden. Traditionell gehören Haftungsfragen zum Einstieg in den Fortbildungstag. Denn die Vielzahl an Gesetzen und Vorgaben, die durch die Betriebe eingehalten werden müssen, werden immer wieder durch aktuelle Rechtsprechungen ergänzt. Dies führt mitunter zur Unsicherheit bei den verantwortlichen Umweltschutzbeauftragten.

Bei der jüngsten Fortbildung, die im November 2019 durchgeführt wurde, standen diese wichtigen Themen auf der Tagesordnung:

  • Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes
  • Chemisches Recycling – Abfallrechtliche Einordnung
  • Gewerbeabfallverordnung
  • Entwicklungen im Genehmigungsmanagement
  • Update des Emissionshandelssystems
  • Die Gewässergüte des Rheins
  • Erfahrungen mit IED-Umweltinspektoren aus Behördensicht
  • Erfahrungen mit der 42. BImSchV
  • Aktuelles aus der Luftreinhaltung.

Die Inhalte der Fortbildung lesen Sie online unter https://kiosk.chemie-rlp.de/publikationen/fortbildung-der-umweltschutzbeauftragten/

VCI-Mitglieder profitieren

Mit der Veranstaltung bietet der VCI-Landesverband Rheinland-Pfalz seinen Mitgliedsunternehmen einen Service, der auf dem Markt einen Wert von über 1.000 Euro pro Person hat. Als Nachweis der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer ein vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium anerkanntes Zertifikat.

Ein einzelnes Umweltrecht gibt es nicht

Als Oberbegriff bündelt es Bereiche verschiedener Rechtsgebiete wie beispielsweise Immissionsschutz, Naturschutz, Störfallrecht, Abfallwirtschaft und Gewässerschutz. Der Gesetzgeber schreibt eine Fortbildung alle zwei Jahre für die verschiedenen Betriebsbeauftragten vor.

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